So entscheiden Jugendliche sich für gesündere Lebensmittel

Eltern bemühen sich meist um eine gesunde Ernährung für ihre Kinder oder das, was sie dafür halten. Doch spätestens in der Pubertät ist die Neigung zur Rebellion groß und die Lust auf Belehrungen zum Thema Ernährung eher klein.

Auch bei uns ist der Trend zu übergewichtigen Kindern mit deutlichen Gesundheitsproblemen wie erhöhtem Blutdruck oder dem metabolischen Syndrom nicht zu übersehen. In den USA ist schon jedes dritte Kind betroffen.

Das große Problem sind die ständigen Werbebotschaften, die auf die Kinder einprasseln. Sie sollen positive Gefühle in Bezug auf ungesunde Nahrungsmittel und Getränke hervorrufen und dazu animieren zu viel zu essen. Australische Forschungen haben gezeigt: 44% der Werbung, die auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten ist, ist für ungesunde Lebensmittel, 21% der Werbebotschaften ist für Fast Food.

Wissenschaftler haben nun eine neue Studie veröffentlicht, die das Verhalten der Jugendlichen beeinflussen sollte und sich zwei Eigenschaften von Teenagern zunutze macht: 1. Die Lust auf Rebellion und 2. der Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit. Indem sie den Blick auf die Marketingstrategien der Hersteller lenkten, entstand bei den Jugendlichen, besonders bei Jungen, der Impuls, gesündere Lebensmittel zu wählen.

Was uns am meisten begeistert hat, ist, dass wir bei den Kindern ein negativeres Bauchgefühl in Bezug auf Junk Food und seine Vermarktung hervorrufen konnten und eine positivere Sofortreaktion auf gesunde Lebensmittel“, sagt Bryan, einer der Studienleiter.

Die Jugendlichen wurden in drei Gruppen unterteilt: eine erhielt Unterlagen darüber, wie die Nahrungsmittelindustrie die Konsumenten manipuliert und aus reiner Gewinngier versucht, sie von ihrem Produkt abhängig zu machen. Auch irreführende Produktnamen und Werbestrategien, die Schutzbedürftige wie zum Beispiel sehr kleine Kinder, direkt als Zielgruppe nehmen, kamen darin vor.

Die zweite Gruppe bekam klassische Informationen zur gesunden Ernährung und die dritte bekam als Kontrollgruppe einen Text, der nichts mit Ernährung zu tun hatte.

Nach dem Lesen gab es eine Aktivität, in der die Jugendlichen Werbeanzeigen der Nahrungsmittelindustrie auf einem Tablet mithilfe von Zeichentools von falsch zu wahr gestalten konnten, z.B. indem sie Graffitis darüber zeichneten.

Am nächsten Tag konnten die Jugendlichen eine lange zuvor angekündigtes Snack-Paket bestellen. Das geschieht an dieser Schule von Zeit zu Zeit und war so angekündigt worden, dass die Schüler keinen Zusammenhang mit der Studie ahnen konnten. Anhand der Bestellungen zeigte sich, dass die Gruppe, die die Informationen über die Werbetricks der Nahrungsmittelindustrie bekommen hatte, deutlich weniger Junk Food bestellte, genau genommen 31% weniger. Bei der Gruppe mit klassischen Ernährungsinfos und in der Kontrollgruppe gab es keine Veränderung. Ein deutlicher Hinweis, dass Jugendliche nicht über die Vernunftschiene zum Thema Ernährung erreicht werden.

In einem erneuten Test zeigte sich, dass der Effekt auch drei Monate später noch anhielt. Im folgenden Video (englisch) finden sich einige der Beispiele, wie die Wissenschaftler vorgingen.


Quelle: Bryan CJ, Yeager DS, Hinojosa CP. A values-alignment intervention protects adolescents from the effects of food marketing. Nat Hum Behav. 2019 Apr 15. doi: 10.1038/s41562-019-0586-6. [Epub ahead of print] PubMed PMID: 30988478.