Ein Urlaubstag in „Vegania“

Ein Urlaubstag in „Vegania“
Der Ostersamstag 2011 war ein wunderschöner sonniger Frühlingstag und wer sich zum veganen Frühlingsfest am Steintorplatz in Hannover bemühte, betrat eine andere Welt. Die Informations- und Verkaufsstände waren in einem etwas elliptischen Kreis angeordnet und es herrschte eine einzigartige Atmosphäre, die ich hauptsächlich als freudvoll bezeichnen würde, obwohl die Infostände die schmerzhaften Themen vieler Formen von Tierausbeutung zum Thema hatten.

Ich gestehe, da hat es mich gestern weniger hingezogen. Als Veganerin weiß ich um das Leid der Tiere – ich habe es verstanden und den Schmerz über unsere Ohnmacht und Hilflosigkeit darüber trage ich immer mit.

Für mich war es schön, die Vielfalt der Alternativen ausgestellt zu sehen. Taschen, Gürtel, Schuhe, weitere Accessoires, jede Menge pflanzliche Alternativen zum Kochen, Backen, etc. Und natürlich das Essen selbst. Alles war so lecker! Und es gab so viele Dinge, dass man nicht alles essen konnte. Eine Fülle, wie sie uns die Natur jeden Tag bietet und die uns Veganern meist verwehrt bleibt, weil wir froh sein müssen, wenn wir auf einem „normalen“ Fest überhaupt etwas bekommen. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl an jedem Stand alles essen zu können, alles probieren zu dürfen, ohne gebetsmühlenartige die Frage wiederholen zu müssen: „ist das auch wirklich vegan?“ Und ohne dann erklären zu müssen, was vegan eigentlich bedeutet. Meine Freundin, die mitgekommen war, hat es sehr treffend formuliert: „Es tut so gut, einmal nicht der Außenseiter zu sein.“

Die Menschen, die das Fest besucht haben, strahlten auch alle diese schöne, freudige Energie aus. Die vegan aufwachsenden Kinder, die keine Tierausbeutung in ihrem Zuhause kennen, waren einfach herzerfrischend mit ihrem offenen Blick. Es gab kein Gekreische, keine Tobsuchtsanfälle, keine maßregelnden Eltern waren zu sehen. Nicht, dass es das in veganen Familien nicht gäbe, aber die Kinder waren auffällig ausgeglichen. Es war jedoch bereit deutlich zu erkennen, dass diese Kinder – spätestens wenn sie zur Schule gehen – bereits um den Zustand in unserer Gesellschaft wissen und dass auch sie diesen Schmerz über die Verbreitung sinnlosen Leids schon in sich tragen.

Am liebsten hätte ich einige der Leute, die am Platz vorbeigingen und sich nicht dazu wagten oder völlig desinteressiert waren, angesprochen und gesagt: kommt und seht mit euren eigenen Augen, dass es wirklich möglich ist. Dass eine Welt ohne Tierausbeutung keine Spinnerei ist, sondern ein Ziel, das sich heute schon verwirklichen lässt – wenn Du es willst. Wir haben alles, was wir brauchen, wir können das Tierleid jetzt sofort beenden. Alles, was es dazu noch braucht, ist dein ‚Ja‘!

Zu einem Urlaubstag in „Vegania“ gehört für mich neben Sonne und Musik auch Eis! Natürlich haben wir auch das bekommen – was für ein Genuss. Die köstliche Nugattorte haben wir uns für später einpacken lassen, weil man nie weiß, wann man so etwas Umwerfendes so problemlos wieder bekommt.

Irgendwann war es dann Zeit, den Heimweg anzutreten. Getragen von dieser freudigen Energie machten wir uns fröhlich auf den Weg. Doch schon wenige hundert Meter weiter platzte die Blase als von einem Imbiss neben einem Sexshop eine Wolke verbrannten Tierfleischs zu uns herüberwehte. Willkommen in der wirklichen Welt. An der die meisten Menschen unbedingt festhalten wollen. Wir erschaffen unsere eigene Realität. Nie war das so körperlich spürbar, wie gestern in Hannover.

So bleibt uns nichts anderes übrig, als dieses wunderschöne Erlebnis von gestern in unserem Herzen zu bewahren und uns jeden Tag dafür zu engagieren, dass es immer mehr Tage und Orte geben möge, an denen sich die tierleidfreie Lebensfreude ungehindert zeigen darf. Tatsächlich gibt es ja passend zum Frühling überall Knospen und aufplatzende Blüten veganer Entfaltung, wie die ersten rein veganen Supermärkte, die Restaurants, usw. Wir sind auf dem Weg und wir werden immer mehr. Du bist eingeladen, dich uns anzuschließen.

Ich durfte auf diesem Fest eine Rede halten:

Was sagen Sie dazu?

Ich freue mich auf Ihren Kommentar.

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