Die Wohlfühl-Falle

Wie man verhindert, dass innere Kräfte Gesundheit und Glück unterminieren

Wer sich in ein heißes Bad gleiten lässt, tut das langsam. Das Wasser kann so heiß sein, dass es unangenehm ist, bis man sich daran gewöhnt hat. Dann ist es sehr angenehm und entspannend. Wenn man im Sommer in einen kühlen See eintaucht, fühlt sich das Wasser dagegen zuerst vielleicht unangenehm kalt an. Aber nach kurzer Zeit hat man sich daran gewöhnt und dann ist es erfrischend. Der Geruch von Weihnachtsgebäck oder einem neuen Parfum ist wundervoll – zuerst. Aber dann gewöhnt man sich daran und schließlich bemerkt man ihn kaum noch.

Woran liegt es, dass unser inneres Erleben so unterschiedlich sein kann, selbst wenn unsere Umgebung unverändert bleibt? Wie kommt es, dass wir uns so leicht an Dinge „gewöhnen“? Die Wissenschaft nennt das Neuroplastizität oder auch neurologische Anpassung.

Unsere Sinne hängen von der Verwendung der entsprechenden Nerven ab. Wenn diese aktiviert sind, können wir sehen, hören, riechen, schmecken, Berührung wahrnehmen und selbst berühren. Die Aktivität dieser Nervenzellen informiert das Gehirn darüber, was in unserer Umgebung los ist und auch über die Intensität. Wenn man z.B. in einem abgedunkelten Raum sitzt und das Licht einschaltet, werden die Sehnerven erregt. Sie „feuern“, d.h. sie senden Botenstoffe aus, wodurch weitere Nervenzellen aktiviert und erregt werden. Dadurch nehmen wir mehr Helligkeit wahr. Ähnlich ist es mit dem Hörsinn, wenn man die Lautstärke der Stereoanlage hochdreht. So verhält sich das für alle Sinnesnerven.

Relative Wahrnehmung

Wir glauben, dass unsere Nerven uns ein relativ objektives Bild der Vorgänge in der äußeren Welt liefern. Überraschenderweise ist dem aber nicht so. Gehen wir noch einmal zu dem Beispiel des abgedunkelten Raums zurück. Wenn man alle Lichter einschaltet, wird es uns sehr hell vorkommen. Wenn wir anschließend aber nach draußen in den vollen Sonnenschein gehen, erscheint uns das noch heller. Wenn wir wieder hineingehen, erscheint es uns dunkel, auch wenn die Lichter alle noch an sind. Unsere Nerven geben uns also kein akkurates Bild von der Realität, sondern ein relatives. Unsere Sinne reagieren mehr oder weniger empfindlich auf Veränderungen. Sie informieren uns, wenn ein Reiz heller oder dunkler, lauter oder leiser, wärmer oder kälter und so weiter ausfällt, aber nicht darüber, wie hell genau, wie laut genau oder wie heiß genau. Wahrnehmung ist also weitestgehend eine Messung relativer Veränderung.

Anpassung kann gefährlich werden

Nachdem wir das Licht eingeschaltet haben, feuern unsere Nerven vermehrt, aber nur für kurze Zeit. Nach ein paar Minuten lässt das bereits wieder nach, wir haben uns an die neue Situation angepasst. Oft sinkt die nervliche Aktivität sogar wieder auf die Frequenz herab, wie sie vor dem Einschalten des Lichts war. Deshalb erscheint uns auch ein hell erleuchteter Raum nach einer Weile normal, wenn sich die Sehnerven der veränderten Situation erst einmal angepasst haben.

All unsere Sinne arbeiten auf diese Weise. Wenn Sie auf dem Land leben und nun eine Wohnung besichtigen, die in der Nähe eines Flughafens oder einer S-Bahn Station liegt, wird Ihnen die Vorstellung, dort leben zu müssen, fast unerträglich vorkommen. Aber die Menschen, die dort leben, bemerken die Geräusche kaum noch. Wenn jemand zum ersten Mal eine Zigarette raucht, wird ihm der Rauchgeruch sehr bewusst sein. Er riecht den Rauch an seinen Fingern, seiner Kleidung und im Auto. Aber nach kurzer Zeit bemerkt er ihn überhaupt nicht mehr. Er hat sich „daran gewöhnt“. Sein Geruchssinn hat sich dem ständigen Rauchgeruch angepasst. Der Raucher wird den Geruch nie wieder bemerken, bis er aufhört zu rauchen. Erst dann wird sich sein Geruchssinn wieder rauchempfindlich zeigen und er wird den Rauchgeruch wieder wie jeder andere Nichtraucher wahrnehmen können.

Die neurologische Anpassung bewirkt auch, dass wir immer mehr von etwas benötigen, um den erhöhten Reiz wieder herzustellen. Deshalb steigern Raucher ihren Zigarettenkonsum, Kaffetrinker ihre Anzahl täglicher Tasser, Zuckerfans süßen immer noch etwas mehr, etc. Auf lange Sicht kann eine solche Gewöhnung zu gesundheitlichen Problemen führen.

Gestörte Geschmacksnerven

Wie unsere anderen Sinnesnerven „gewöhnen“ sich auch unsere Geschmacksnerven an bestimmte Reize – und das kann gefährliche Konsequenzen haben. Die Geschmacksnerven der meisten Menschen in den Industrienationen sind an Nahrungsmittel gewöhnt, die viel Zucker, viel Fett – meist tierischen Ursprungs – und viel Salz enthalten. Hinzu kommen z.B. noch Geschmacksverstärker aus der chemischen Produktion. Solche Nahrungsmittel schmecken nicht besser als gesündere Speisen, doch kaum jemand wird diese Wahrheit erkennen. Das liegt einfach daran, weil durch den immer wiederkehrenden Verzehr eine Gewöhnung an diesen Geschmack entsteht. Auch „lecker“ ist also nicht objektiv sondern relativ.

Selbstzerstörung mit Messer und Gabel

In den letzten Jahrzehnten ist unsere Ernährung immer reicher an tierischem Eiweiß, tierischem und pflanzlichem Fett, raffinierten Kohlehydraten und versteckten Kalorien in Form von versteckten Fetten, Salz und Zucker geworden. Unsere Kalorienaufnahme hat sich deutlich gesteigert, die körperliche Bewegung nimmt dagegen im Durchschnitt ab. Es kann also niemanden überraschen, dass Übergewicht immer mehr zu einem gesellschaftlichen Problem wird. Geschätzte 20% aller Kinder in Deutschland sind bereits übergewichtig. Das ist ihre Eintrittskarte zu allen Zivilisationserkrankungen.  Bereits 12-jährige Kinder in Deutschland haben einer Studie zufolge Veränderungen in ihren Blutgefäßen, die schon jetzt auf zukünftige Herzprobleme oder Schlaganfälle hinweisen. Viele der übergewichtigen Kinder haben sogar bereits ein metabolisches Syndrom – die Vorstufe zu Diabetes Typ II, der früher Altersdiabetes genannt wurde. Laut den Statistikern wird jedes dritte Kind, das nach dem Jahr 2000 geboren wurde, Diabetes bekommen und die jetzigen Kinder werden jünger sterben als ihre Eltern.

Dabei war unsere Ernährung noch vor wenigen Jahrzehnten ganz anders. Fleisch gab es sehr selten, weil es für viele einfach unerschwinglich war. Dasselbe galt für Fertigprodukte, die es in solchen Mengen wie heute gar nicht gab. Aber die Zeiten haben sich geändert: Heute vergeht in einem durchschnittlichen Haushalt kein Tag ohne den Verzehr von tierischem Eiweiß und raffinierten Produkten wie Weißmehl, weißem Zucker oder Fertiggerichten und Chips.

Evolutionsgeschichtlich betrachtet ist das tägliche Leben mit einer solchen Ernährung außergewöhnlich. Hunderttausende von Jahren rang der Mensch seine Nahrung eher mühsam der Natur ab. Heute noch ergeben sich in weniger entwickelten Ländern schwere Konsequenzen aus Missernten und Millionen Menschen verhungern deshalb. Doch in einem „Augenblick“ des Universums, in nur wenigen Jahrzehnten, sind die Industrienationen dem Mangel entkommen und haben sich zu Gesellschaften ungebremsten Überflusses entwickelt, wie es ihn noch nie gegeben hat. Das auffälligste Merkmal dieses Überflusses ist die ständige, unbegrenzte Verfügbarkeit von Nahrung.

Beispiel Fleisch: In den häufig zitierten Zeiten der Jäger und Sammler wurde hauptsächlich Wild verzehrt, mit einem Fettanteil von 15%. Das heutige Fleisch auf dem Teller ist ein ganz anderes Produkt. Schon die Aufzucht der Tiere wird chemisch und hormonell gesteuert und der Fettanteil der Kalorien kann bei über 50% liegen. Eiscreme ist auch so eine außergewöhnliche Erfindung zur Verstärkung des Geschmacksempfindens – eine künstliche Zusammenstellung aus kaum etwas anderem als Fett und Zucker. Früher war es eine seltene Delikatesse, heute gehört es für viele Menschen zum täglichen Essritual. Pommes – eine sehr häufig verzehrte Beilage – und Chips sind voller künstlicher konzentrierter Fette und Transfette. Teenager nehmen locker 25% ihrer Kalorieren in Form von industriell hergestellten Getränken zu sich, in denen sich zu allem Überfluss auch noch chemische Substanzen verbergen können, die z.B. die Knochen schädigen, wie die Phosphorsäure im weltbekanntesten Kolagetränk. Auch die Light-Versionen verhindern nicht, dass hier ein Baustein zur späteren Osteoporose gelegt wird.

Künstliche Reize

Der Nahrungsüberfluss an sich ist nicht allein die Ursache von Gesundheitsproblemen. Die moderne Nahrungsmittelindustrie hat viele Dinge künstlich schmackhafter gemacht. Industriell produziertes Essen stimuliert unsere Geschmacksnerven häufig viel stärker, da die chemischen Bestandteile, die ein besonders positives Geschmackerlebnis hervorrufen, isoliert werden konnten und nun konzentriert eingesetzt werden. Dabei handelt es sich oft um „Fälschungen“, die das Gehirn täuschen und irritieren. Ein Arsenal von mehreren tausend Stoffen wird zur „Verbesserung“ des Geschmacks von Fertignahrung eingesetzt. Der Geschmack nach Himbeeren, aus Sägemehl produziert und damit ein „natürliches“ Aroma oder Süßstoffe suggerieren dem Gehirn eine Nahrungsaufnahme, aber das Sättigungsgefühl bleibt aus, weil keine Energie zugeführt wird. So entsteht ein Kreislauf, durch den Menschen mehr essen, als ihnen gut tut, weil sie nicht das bekommen, was sie wirklich brauchen: gesunde, einfache Nährstoffe, die den Körper mit allem Nötigen versorgen.

Die meisten unserer Mitbürger können sich gar kein anderes Leben mehr vorstellen. Bei ihrem schwierigen Leben voller Überarbeitung helfen Fertiggerichte zu einem Gefühl, sich wenigstens halbwegs gesund zu ernähren. Solche Dinge aus ihrer täglichen Ernährung zu entfernen scheint diesen Menschen unmöglich, wenn nicht sogar absurd. Sie sind überzeugt, dass sie, wenn sie es doch täten, ihr Essen und ihr Leben weniger genießen würden. Die meisten Menschen glauben, sie würden tatsächlich leiden, wenn sie sich gesund ernähren. Aber hier täuscht sie ihre Wahrnehmung gründlich. Tatsache ist, dass unsere Sinne sehr wohl in der Lage sind, den subtileren Geschmack vollwertiger, frischer, naturbelassener Nahrung zu genießen, aber durch die Gewöhnung an stärkere Stimuli ist es ihnen nicht mehr bewusst.

Die Geschmacks-Falle

Menschen, die sich mit naturbelassenen, frischen Lebensmitteln ernähren, die fettarm und reich an Faserstoffen sind, haben ein normales, gesundes Geschmacksempfinden. Werden aber hochkonzentrierte, verarbeitete Nahrungsmittel und Fertiggerichte in die Ernährung einbezogen, werden sie sehr schnell bevorzugt. Das kommt daher, dass sie die Geschmacksnerven stärker stimulieren. Innerhalb kurzer Zeit, meist innerhalb weniger Wochen, gewöhnen sich die Geschmacksnerven an diesen Zustand und das zuvor erhöhte Genusserlebnis wird nun als normal empfunden. In diesem Zustand verbringen die meisten Menschen ihr Leben und das ist es auch, was zu ihren gesundheitlichen Problemen führt. Letztendlich ist das Geschmackserlebnis jedoch nicht „besser“ oder stärker als es das mit einer Ernährung aus frischen und gesunden Lebensmitteln wäre. Die Veränderung wird nur nicht mehr bemerkt, ganz wie wir uns an einen hell erleuchteten Raum gewöhnen.

Der Ausweg ist eine Herausforderung

Was geschieht nun, wenn jemand erfährt, dass seine Ernährung nicht so gesund ist? Trotz aller gezielten Werbekampagnen der Fleisch- und Milchindustrie oder der Werbung für Fertignahrung, wird doch immer mehr Menschen deutlich, dass diese Ernährungsweise sie auf lange Sicht krank macht. Sie wollen keinen frühen Tod durch Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzversagen, Diabetes und Krebs als Ergebnis selbstzerstörerischer Essgewohnheiten mehr riskieren.
Vielleicht entschließen sie sich, ihre Ernährung auf vollwertige, frische Produkte umzustellen – oft gegen den ausdrücklichen Rat des Arztes, der Familie und der Freunde, die alle in derselben Falle sitzen.

Dann treffen sie gleich zu Anfang häufig auf ein großes Hindernis: die bereits erfolgte Gewöhnung ihrer eigenen Geschmacksnerven an erhöhte Reize. Das Geschmackserlebnis der neuen Ernährung wird flach oder sogar unangenehm ausfallen. Gerade in der Anfangszeit kann das zu Entmutigung und schnellem Aufgeben führen, denn naturbelassene Nahrungsmittel sind bei weitem nicht so stimulierend wie industriell verarbeitete.

Die Wissenschaftler streiten noch darüber, wie lange so ein Umgewöhnungsprozess dauern kann. Die Schätzungen liegen bei 1-3 Monaten. Ich denke, dass es sehr von der Person selbst abhängt. Raucher z.B. haben durch das Rauchen noch ein stärker verringertes Geschmacks- und Geruchsempfinden, werden also vermutlich länger für eine Umstellung benötigen als Nichtraucher. Auf jeden Fall kann man sich aber darauf einstellen, dass in den ersten Wochen der Umstellung manche Dinge vielleicht noch nicht so gut schmecken, wie zuvor. Deshalb ist unsere moderne Ernährung so eine große Falle, weil die meisten Menschen „süchtig“ nach dem verstärkten Geschmackserlebnis geworden sind. Die Zeit der Umstellung der Geschmacksnerven auf das eigentlich Normale, bedarf mehr Motivation und Selbstdisziplin als viele Menschen aufzubringen bereit sind.

Doch vielleicht hilft ihnen das Bewusstsein, dass es keine Verdammung zum lebenslangen Verzicht auf Genuss ist, den eine Umstellung auf eine gesunde Ernährung mit sich bringt. Es sind nur wenige Wochen sind, die es braucht, um den Bann zu lösen, um wieder ein normales Geschmacksempfinden zu entwickeln und sich von den Produkten fernhalten zu können, die der Gesundheit schaden.

Schnelle Hilfe

Allein schon das Wissen um die zeitliche Begrenzung dieses Zustands ist für viele Menschen ausreichend, um die Mühe auf sich zu nehmen und erfolgreich zu sein. Aber andere werden in der Falle stecken bleiben. Ihnen erscheint der Weg zu lang und zu beschwerlich und selbst kleine „Sünden“ zwischendurch werfen sie gleich wieder auf Null zurück. Hier kann ein Ernährungscoaching oder ein allgemeines Coaching zum Erreichen der Ziele hilfreich sein. Darüber hinaus kann eine besondere Situation eine größere Bereitschaft zur schnellen Umstellung hervorrufen, zum Beispiel eine Entgiftungskur. Drei oder zehn Tage oder noch länger, das hängt von den Möglichkeiten jeder einzelnen Person ab. Eine Möglichkeit ist die Power-Entgiftung, ein dreitägiges Programm, das nicht nur die Geschmacksnerven umstimuliert, sondern als Einstieg zum Ausstieg dienen kann und den ganzen Menschen bei einer größeren Umstellung unterstützt. Die „Kur“ kann auch problemlos verlängert werden.  Natürlich stehe ich auch für Beratungen und Coachings zur Verfügung. Nehmen Sie einfach Kontakt mit mir auf.

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