ernaehrungsformenKonzepte für individualisierte Ernährung schießen aus dem Boden wie Pilze nach einem warmen Sommerregen. Es gibt die unterschiedlichsten Ausrichtungen: manche essen ihrer Blutgruppe entsprechend, andere machen Metabolic Typing oder legen ihre ayurvedische Konstitution zugrunde. Die Genetik hat ebenfalls erste Tests entwickelt, die uns aufklären sollen, welches Essen denn nun das Richtige für uns ist.

Wissenschaftliche Forschungen haben ergeben, dass unsere Reaktionen auf Essen unterschiedlich ausfallen, d.h. manche Leute vertragen ungesundes Essen besser als andere. Es wäre jedoch völlig unwissenschaftlich, daraus nun den Schluss zu ziehen, dass manche von uns  zum Beispiel eine vegane oder vegetarische Ernährung brauchen, andere dagegen eine Low-Carb Ernährung mit Fleisch und Fisch. Ist wirklich jede*r anders und muss die richtige Ernährung für den eigenen Körper und Lebensstil finden?

Zweifellos ist jede*r von uns ist einzigartig. Allerdings bezieht sich das auf unsere Persönlichkeit. Biologisch haben wir jedoch alle dasselbe Verdauungssystem. Die Unterschiede sind hier nur graduell: manch einer kann mehr Fett essen ohne zuzunehmen oder ein Herzleiden zu entwickeln – ein anderer ist vielleicht darauf angewiesen, sein Herzleiden durch eine pflanzenbasierte, fettarme und vollwertige Ernährung zu kurieren. Ebenso geht ist es mit dem Eiweiß. Tierisches Eiweiß ist krebsfördernd, aber bei manchen wirkt sich das schneller oder stärker aus als bei anderen. Und die positiven Auswirkungen einer veganen Ernährung bei Krebs werden nun schon seit Jahren immer wieder hervorgehoben. Gerade im Bereich der hormonabhängigen Krebsarten wie Brust- oder Prostatakrebs gibt es viele Erfolge. In den USA hat das zu einer Änderung der Ernährungsrichtlinien in Bezug auf Krebs geführt.

Falsche Ernährung ist Stress für den Körper

Manche können über Jahrzehnte Kette rauchen ohne Lungenkrebs zu bekommen, trotzdem würden wir das Rauchen nie als gesund bezeichnen. Ungesundes Essen ist – genau wie das Rauchen und eine Menge anderer schlechter Angewohnheiten – Stress für den Körper. Dieser Stress nimmt immer mehr zu, genau wie der seelische Stress, unter dem immer mehr Menschen leiden. Eine sichtbare Folge ist die Zunahme unserer großen Zivilisationskrankheiten wie Herzleiden, Diabetes, Allergien, Rheuma oder Krebs.

Es gibt keinen gesundheitlichen Vorteil, übermäßig viel Fett oder Eiweiß zu essen. Manche tun es, um ihrem Körper ein paar Kilo Gewicht abzuringen, aber gerade in diesem Bereich ist die Forschung mehr als deutlich. Weniger als 1% nehmen mit solchen Diäten oder Ernährungskonzepten dauerhaft ab und sind in der Lage, das verringerte Gewicht länger als 6 Monate zu halten. Spätestens nach zwei Jahren ist mehr da als zuvor.

Aber wo finden wir in der Natur Beispiele für unterschiedliche Nahrungsbedürfnisse bestimmter Tiere? Gibt es zum Beispiel Pferde, die aufgrund ihrer Blutgruppe mit ein bisschen Fleisch in der Ernährung leistungsfähiger werden oder Elefanten, die doppelt so viel Eiweiß benötigen wie andere Mitglieder ihres Familienverbandes? Wenn wir an diese oder andere Tiere denken, finden wir solche Vorstellungen eher lächerlich. Experimente in dieser Richtung waren sogar fatal. Nur zur Erinnerung: Als den Kühen massenhaft Fleischabfälle gefüttert wurden entstand BSE. Irgendwie geht uns diese Sichtweise aber anscheinend verloren, wenn es um uns und unsere Ernährung geht.

Wie viel Eiweiß, Fett und Kohlehydrate brauchen wir?

Die Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sind ein Konsens, der mit der Lebensmittelindustrie und vor allem der Fleisch- und Milchindustrie immer wieder verhandelt wird. Deren Vertreter sitzen nämlich in den Gremien der DGE und achten genau darauf, keine Marktanteile zu verlieren. Interessant wäre es doch, einmal nicht zu schauen, wie viel wir tolerieren können, sondern wie viel wir tatsächlich brauchen. Wann würden wir denn unter einem Mangel an einem oder mehreren Makronährstoffen leiden?

Eiweißmangel ist ein häufig beschworenes Gespenst, wenn es um die vegane Ernährung geht. Dabei enthält jede Pflanze Eiweiß. Schon 5% Eiweiß in der Ernährung eines Erwachsenen reichen aus, um die körperlichen Funktionen aufrecht zu erhalten. Der reale Bedarf an Eiweiß liegt bei 10% der Kalorien oder 0,8 g / Kg. Sehr aktive Menschen wie z. B. Leistungssportler brauchen 15%. Das hat unter anderem Dr. Katharina Wurnitzer in ihrer Dissertation vor ein paar Jahren herausgearbeitet. Sie ist selbst eine vegane Mountainbikerin und Hochleistungssportlerin, da lag es nahe, in dieser Richtung zu forschen. Solange die gesamte Kalorienzufuhr stimmt und Sie sich nicht ausschließlich von Fast Food ernähren, ist Eiweißmangel nichts, worüber Sie sich Sorgen machen sollten.

Das absolute Minimum an essentiellen Fettsäuren, das wir benötigen, liegt bei 6% der Kalorien. Bei einer Ernährung mit 2000 Kcal pro Tag sind das 120 Kalorien. Jedes Gramm Fett liefert 9 Kcal, das wären dann also 13 g Fett. Das entspricht weniger als einem Esslöffel Olivenöl. Wobei das ein schlechtes Beispiel ist, denn Öl ist kein gesundes Nahrungsmittel. Besser ist es, den Fettbedarf aus Oliven zu decken oder aus Avocados, Nüssen und Saaten, also vollständigen und naturbelassenen Lebensmitteln. Darin stecken nämlich jede Menge Vitamine, Minerale und sekundäre Pflanzenstoffe, die bei der Gewinnung von Öl fast vollständig verloren gehen. Öl gehört darum zu den leeren Kalorien, genau wie Zucker und Weißmehl.

Da es nur 3 Arten von Makronährstoffen gibt, ergibt sich folgendes Bild, wenn man noch eine Pufferzone einbaut. Diese Zahlen entsprechen übrigens den Empfehlungen der führenden Forscher im Bereich der pflanzenbasierten Ernährung.
makronaehrstoffe

Kohlehydrate sind natürlich nicht gleich Kohlehydrate. Gemeint sind hier vollwertiges also möglichst naturbelassenes Gemüse, Obst, Getreide und Hülsenfrüchte. Letztere enthalten bis zu 50% Kohlehydrate.

Alle Menschen können ihre tatsächlichen Nährstoff-Bedürfnisse mit einer pflanzenbasierten Ernährung aus guten und frischen Lebensmitteln wunderbar decken. Alles andere sind Gewohnheiten, Vorstellungen und Konzepte, die wir zeitweise tolerieren. Je nachdem wie gut wir mit noch mehr Stress umgehen können.

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