Dieser Artikel ist eine Übersetzung von der Website des Ärztekommitees für Verantwortungsvolle Medizin (PCRM = Physicians Committe for Responsible Medicine). Quelle: http://www.pcrm.org/health/prevmed/soy_health.html

Soja erfreut sich in letzter Zeit vermehrter Beliebtheit. Nahrungsmittel aus Soja, z.B. Sojabohnen, Sojamilch, Tofu, Tempeh, Miso sowie weitere vegetarische Ersatzprodukte für Fleisch und Milchprodukte. Wie bei allen anderen pflanzlichen Nahrungsmitteln, sollte man auch hier die am wenigsten verarbeiteten Varianten bevorzugen, sodass alle ursprünglichen Nährstoffe darin enthalten sind. Da Sojaprodukte inwzischen immer mehr verzehrt werden, stellen sich manche Menschen die Frage, ob das noch gesundheitsförderlich ist. Schauen wir uns an, was die medizinischen Studien zeigen:

Krebs: Vorsorge und Überleben

Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass Sojaproteine das Risiko einer Krebserkrankung senken, darunter Brustkrebs, Dickdarm- und Prostatakrebs.1

Studien zeigen, dass Frauen, die Sojaprodukte in ihren täglichen Ernährungsplan aufnehmen, seltener Brustkrebs bekommen als andere Frauen. Im Januar 2008 ergab eine Studie der Universität von Südkalifornien, dass Frauen, die im Durchschnitt 1 Tasse Sojamilch oder 1/2 Tasse Tofu täglich verzehrten, im Vergleich mit Frauen, die wenig oder gar keine Sojaprodukte verzehren, ein um 30% verringertes Risiko Brustkrebs zu entwickeln hatten. 2 Um diese Wirkung zu erzielen, sollte der Sojaverzehr jedoch früh im Leben beginnen, da sich das Brustgewebe in der Pubertät ausbildet.3,4

Wie steht es aber mit Frauen, bei denen bereits Brustkrebs diagnostiziert wurde? Eine Studie im Journal of the American Medical Association berichtet von Ergebnissen, die bei 5.042 Frauen erhoben wurden, bei denen bereits Brustkrebs diagnostiziert worden war und die über einen Zeitraum von vier Jahren an der Shanghai Brustkrebs-Überlebensstudie teilnahmen. Die Studie ergab, dass Frauen, die regelmäßig Sojaprodukte wie Sojamilch, Tofu oder Edamame verzehrten, ein um 32% verringertes Risiko eines Wiederauftretens der Erkrankung hatten sowie eine um 29% höhere Überlebensrate im Vergleich zu Frauen, die wenig oder kein Soja verzehrten.5 Ein begleitender Leitartikel erklärte, dass Widersprüchlichkeiten mit früheren Studien wohl darauf zurückzuführen seine, dass der Verzehr von Soja in den Vereinigten Staaten so niedrig sei, dass die positiven Auswirkungen viel schwieriger zu finden seien..6 In China ist der Sojakonsum höher und die Ernährung beinhaltet traditionellerweise natürlich Sojanahrung, nicht so sehr Nahrungsergängzungsmittel aus Soja. Andere Studien ergaben keine oder keinen positive Wirkung auf die Dichte des Brustgewebes bei Frauen, die Soja verzehren.7

Warum sollten Sojaprodukte das Krebsrisiko senken? Die meisten Forschungen konzentrieren sich ausschließlich auf die Phytoöstrogene, die man in Sojabohnen findet. Diese Bestandteile sind in den Östrogenen (weibliche Geschlechtshormone) im Blut der Frauen ähnlich, aber sie sind viel schwächer. Man vermutet, dass sie helfen, den Östrogenpegel unter Kontrolle zu halten, da sie wie ein schwaches Östrogen wirken können, wenn im Blut wenig Östrogen vorhanden ist, gleichzeitig aber die Östrogenwirkungen hemmen, wenn das Östrogenniveau im Körper hoch ist.8

Bildhaft könnte man sagen, dass die Östrogene im Körper einer Frau wie Jumbojets sind, die auf einem Flughafen landen. Phytoöstrogene sind wie kleine Privatflugzeuge, die die Landebahn blockieren und so verhindern, dass die Jumbojets landen können. Diese Erklärung ist vielleicht zu sehr vereinfacht, aber sie soll verdeutlichen, wie die schwachen hormonellen Bestandteile des Sojas positive Auswirkungen haben können.

Fruchtbarkeit

Andere Bedenken betreffen die Frage, ob Soja negative Auswirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit hat. Studien an Männern und Frauen haben jedoch gezeigt, dass Soja die Fortpflanzung nicht behindert.9,10

Auch bei Erwachsenen, die als Kinder mit Babynahrung aus Soja gefüttert wurden, fand man keinen Unterschied in ihrer Fortpflanzungsfähigkeit, wenn man sie mit Erwachsenen verglich, die mit Babynahrung aus Kuhmilch aufgezogen worden waren.11

Männliche Hormone

Obwohl manche Bestandteile von Sojaprodukten sehr schwach weiblichen Hormonen ähneln, haben wie keine negativen Auswirkungen auf Männer, können jedoch helfen, Krebs bei Männern zu verhindern. Eine Metaanalyse, die in Fertility and Sterility veröffentlicht wurde und auf mehr als 50 Behandlungsgruppen basierte, zeigte, dass weder Nahrungsmittel aus Soja noch Isoflavone als Nahrungsergänzung die Testeronpegel bei Männern beeinflusste.12 Ein Analyse von 14 Studien, die im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht wurde, zeigte, dass ein vermehrter Verzehr von Soja zu einer 26%igen Verringerung des Risikos für Prostatakrebs führte.13 Die Forscher fanden eine Risikoverringerung von 30% bei unfermentierten Sojaprodukten wie Sojamilch und Tofuf.

Fibrome

Sojaprodukte können das Risiko von Fibromen verringern, das sind Knoten aus Muskelgewebe, die sich in der dünnen Muskelschicht bilden, die unterhalb der Gebärmutterschleimhaut liegt. Eine Studie an japanischen Frauen zeigte, dass je mehr Soja die Frauen verzehrten, um so geringer war die Notwendigkeit einer Gebärmutterentfernung, was darauf schließen lässt, dass Fibrome seltener vorkamen.14 In einer Studie an Frauen im Staat Washington schien Soja weder zu helfen noch zu schaden, vielleicht weil amerikanische Frauen im Vergleich zu japanischen sehr wenig Soja essen.15 Eine große Wirkung hatten jedoch Lignane, eine Art Phytoöstrogene, die man in Leinsamen und Vollkorn findet. Das Risiko der Frauen, die am meisten von diesen Nahrungsmitteln verzehrten, Fibrome zu entwickeln, war weniger als halb so groß, als das von Frauen, die normalerweise auf diese Nahrungsmittel verzichteten. Auch hier zeigt sich wieder, dass Phytoöstrogene gesundheitsförderlich sind, indem sie die Wirkung der natürlichen weiblichen Östrogene ausgleichen, obwohl in diesem Fall die positive Wirkung von anderen Nahrungsmitteln kommt als vom Soja.

Schilddrüsengesundheit

Klinische Studien zeigen, dass Sojaprodukte keine Schilddrüsenunterfunktion verursachen..16 Isoflavone aus Soja können jedoch einen Teil des Jods absorbieren, das der Körper normalerweise verwenden würde, um Schilddrüsenhormone herzustellen.17 Dasselbe gilt für Ballaststoff-Nahrungsergänzungsmittel und manche Medikamente. Theoretisch könnte es also sein, dass Menschen, die Soja verzehren etwas mehr Jod in ihrer Nachrung benötigen. (Jod findet sich in vielen Pflanzen, insbesondere in Algen und Jodsalz.) Sojaprodukte können auch die Absorption von Medikamenten zur Behandlung von Schilddrüsenunterfunktion verringern.16 Menschen, die solche Medikamente einnehmen sollten überprüfen lassen, ob ihre Dosierung angepasst werden muss..

Weitere gesundheitliche Auswirkungen

Sojaprodukte scheinen das (schlechte) LDL-Cholesterin zu senken.18 Sie scheinen auch das Risiko für osteoporotisch bedingte Hüftgelenksbrüche zu senken. In einer im American Journal of Epidemiology veröffentlichten Studie zeigten Frauen, die mindestens 1/4 Tasse Tofu täglich verzehrten, eine durchschnittliche Risikoverringerung von 30% für solche Brüche.19

Überernährung

Sojaprodukte sind normalerweise sehr eiweißreich. Manche Hersteller haben diesen Umstand ausgenutzt und isolierte Sojaproteine in Shakes und Fleischersatzprodukte eingebaut. Man sollte jedoch vorsichtshalber hoch konzentrierte Proteine jedweder Quelle meiden, einschließlich Soja. Es ist seit langem bekannt, dass Kuhmilch die Menge an Insulin-ähnlichen-Wachstumsfaktoren im Blut erhöht,20 und diese Substanz wird mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung gebracht. Manche Anzeichen sprechen dafür, dass hochkonzentrierte Sojaproteine (als ‚isolierte Sojaproteine‘ auf Nahrungsmittelverpackungen ausgewiesen) dasselbe bewirken können.21 Einfache Sojaprodukte wie Tempeh, Edamame oder Sojabohnen sind vermutlich die beste Wahl.

Zusammenfassung

Die bisherigen Forschungserbegnisse zeigen, dass Sojaprodukte das Risiko von Brustkrebs und dem Wiederauftreten von Brustkrebs verringern können. Sie scheinen keine negativen Auswirkungen auf die Schilddrüse zu haben, können jeoch die Aufnahme von Schilddrüsenmedikamenten verringern. Die Vorteile von Sojaprodukten scheinen sich auf traditionelle Sojaprodukte zu beziehen, nicht jedoch auf isolierte Sojaproteine.

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Referenzen

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2. Wu AH, Yu MC, Tseng CC, Pike MC. Epidemiology of soy exposures and breast cancer risk. Br J Cancer. 2008;98(1):9-14.
3. Korde LA, Wu AH, Fears T, et al. Childhood soy intake and breast cancer risk in Asian American women. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev. 2009;18(4):1050-1059.
4. Shu XO, Jin F, Dai Q, et al. Soyfood intake during adolescence and subsequent risk of breast cancer among Chinese women. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev. 2001;10(5):483-488.
5. Shu XO, Zheng Y, Cai H, et al. Soy food intake and breast cancer survival. JAMA. 2009;302(22):2437-2443.
6. Ballard-Barbash R, Neuhouser ML. Challenges in design and interpretation of observational research on health behaviors and cancer survival. JAMA. 2009;302(22):2483-2484.
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