wurstplatte-668676_640_modifiziertVor ein paar Tagen hat die Weltgesundheitsorganisation verarbeitetes Fleisch in die Kategorie der Krebs erregenden Stoffe eingeordnet. Da steht es nun neben Asbest, Tabak, Dieselabgasen und Glyphosat.

Nun versuchen die meisten offiziellen Stellen, Schadensbegrenzung zu leisten. Es gehe „nur“ um gepökeltes oder geräuchertes Fleisch oder „nur“ um bestimmte Rindfleischsorten. Die Studienlage sei nicht eindeutig genug, um Fleisch ganz zu verbannen. Die WHO hatte ja auch „nur“ 800 Studien ausgewertet. Dabei kam sie zu dem Schluss, dass pro 50 g verarbeitetes Fleisch am Tag das Risiko für Darmkrebs um 18 Prozent steigt.

Wenn Sie Ihren Kindern nicht gestatten 1-2 Zigaretten pro Tag zu rauchen, sollten Sie ihnen auch kein Fleisch geben, könnte die neue Richtlinie lauten. Aber die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, die ja bekannt ist für ihre Unflexibilität, will weiter an ihrer Theorie von einer unbedenklichen Tagesdosis festhalten. Zeitgleich zu dieser Diskussion um die WHO meldet sich Starköchin Sarah Wiener, die neuerdings Aufmerksamkeit durch Attacken gegen die vegane Ernährung auf sich zieht, wieder zu Wort und versucht diesmal ihr Glück mit dem Thema Kinderernährung. Meine Anmerkungen zu ihrem ersten Gastartikel in dieser Richtung finden Sie hier.

Was mich amüsiert, ist einer der Untertitel im Focus, wo ich den Artikel gelesen habe: „Sarah Wiener engagiert sich für Kinderernährung ohne Kunstprodukte.“ Sehr gut. Sie will keine normierten Nahrungsmittel, keine Zusatzstoffe oder Imitate und keine Intransparenz. Da könnten wir ja glatt auf einen Nenner kommen, die Frau Wiener und ich. Schauen wir also mal weiter im Text.

Die B12-Keule

„Vegan ist eine diätische Mangelernährung“, behauptet Frau Wieder und weiter: „Eine Ernährung, bei der Vitamin B12 von außen zugeführt werden muss, kann nicht gesund sein.“ Wie erklärt sie dann wohl, dass ein Großteil der Allesesser*innen unter einem B12 Mangel leidet und den Stoff von außen zuführen muss? Das Thema B12 ist nämlich kein rein veganes Thema. Es gibt viele Gründe für einen B12 Mangel in unserer modernen Zeit. Durch schlechte Essgewohnheiten, Stress und viele Medikamente entstehen z. B. chronische Entzündungen in Magen und Darm, die zu einer schlechteren Aufnahme von B12 führen können. Manche Medikamente, wie z. B. Metformin, der am häufigsten verschriebene Wirkstoff gegen Typ-2 Diabetes, senken aktiv den B12-Spiegel.

B12 ist übrigens ein bakterielles Produkt. Tiere nehmen es normalerweise beim Grasen auf, weil da eben auch Verunreinigungen mit dran hängen. Aber die meisten Tiere dürfen sowieso nicht mehr draußen grasen. Das B12, das Menschen aus Tierprodukten bekommen können, stammt daher oft nicht mehr aus natürlichen Quellen, sondern ist industriell und wird dem Tierfutter beigemischt. Fleischproduzenten salbadern ja immer von der Veredelung von Kohlehydraten durch das Tier. Hier wird also das B12-Produkt durch das Tier veredelt und von Frau Wiener und Konsorten dann als „natürlich“ propagiert.

Wenn Sie sich ernsthaft über Vitamin B12 in der veganen Ernährung informieren möchten, schauen Sie beim Bund für Vegane Lebensweise nach, da stehen die Fakten ausführlich und sehr gut erklärt.

Eine gut geplante vegane Ernährung ist vielfältig und bedient sich aus allen Nahrungsmittelgruppen: Gemüse, Obst, Getreide, Hülsenfrüchte sowie Nüsse und Samen. Die Versorgung mit Eisen, Calcium und anderen Mikronährstoffen ist dann völlig unproblematisch, wie die Bluttests vieler vegan aufwachsender Menschen immer wieder zeigen.

Abgesehen von Vitamin B12, gibt es keine Nährstoffe, die wir nicht aus pflanzlicher Nahrung beziehen können. Aber Fleisch hat noch einiges an negativen Auswirkungen zu bieten.

Eisen aus Tierblut als Verursacher von Krebs und Diabetes

2009 wurden gleich vier Studien veröffentlicht, die Hämeisen, also das hochgelobte Eisen aus Tierblut, als Krebs erregenden Stoff identifiziert haben. Dabei ging es nicht nur um Darmkrebs, sondern auch um Bauchspeicheldrüsenkrebs und Gebärmutterkrebs.[1]

Im Gegensatz zum 2-wertigen pflanzlichen Eisen, das einer Regulierung der Aufnahme durch den Körper unterliegt, gelangt das 3-wertige Hämeisen ungehindert in die Enterozyten, wo es durch das Enzym Hämoxygenase-1 (HO-1) zu 2-wertigem Eisen zerlegt wird. Dabei entsteht Wasserstoffperoxid – ein extrem starkes Oxidationsmittel aus Wasserstoff und Sauerstoff.

Hämoxygenase gilt nach neuesten Erkenntnissen inzwischen als entzündungsfördernd und krebserregend. Das ist eine komplette Wendung, da es früher als entzündungshemmend galt, was tausende von Studien belegten. Die chronischen Entzündungen, die Hämoxygenase bewirkt, verändern auch die Insulinrezeptoren an den Zellen und werden dadurch zu Mitauslösern des metabolischen Syndroms und Typ-2 Diabetes. 75% der Übergewichtigen entwickeln Diabetes Typ-2, Herzinfarkte oder Krebs, wenn die HO-1 erhöht ist. Sonst nicht.[2]

Hormone in Fleisch & Milch greifen in das menschliche Hormonsystem ein und wirken u. a. Krebs erregend

Progesteron-MechanismusWie ich vor Kurzem in einem Vortrag mit dem Titel „Des einen Leid, des andern Krankheit“ über Milch erklärt habe, nehmen Menschen all die Wachstums- und Geschlechtshormone auf, die sich in Fleisch und Milch finden. Die Tatsache, dass die Milch hauptsächlich von schwangeren Kühen stammt, hat diese Situation noch verschärft. Stellvertretend möchte ich hier das Hormon Progesteron nennen, das aus der Milch dieser schwangeren Kühe stammt und auch zusätzlich als Medikament gegen Fehlgeburten bei Kühen eingesetzt wird. Dieses Hormon aktiviert ein Enzym (Mucin 1), das dazu dient, Krebszellen, wie sie sich in jedem Körper ständig entwickeln, vor dem eigenen Immunsystem zu verstecken.

Langzeitstudien an über 3.200 Mädchen in Großbritannien kamen zu dem Schluss, dass der Verzehr von Tierprodukten zu früherer Pubertät führt.[3]  Das wiederum führt zu erhöhten Risiken von Krebs, Herzerkrankungen und Osteoporose, so die Forscher.

Kinder sollten nicht mit Dingen ernährt werden, die die Entstehung von Krebs und anderen Zivilisationskrankheiten begünstigen.

Vielleicht ist es wirklich nicht schön, dass bei einer veganen Ernährung Vitamin B12 von außen zugeführt werden muss. Aber das kann nicht als Grund dafür gelten, dass wir unseren Kindern dann Dinge zu essen geben, die so schädlich sind wie das Rauchen oder das Leben in einem Asbest-verseuchten Gebäude.

Die WHO ist einen mutigen Schritt gegangen mit ihrer Klassifikation des verarbeiteten Fleischs, aber wir sollten nicht vergessen, dass das nur ein Aspekt der gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Tierprodukten im Allgemeinen ist.

Die Kinder von heute leiden vermehrt unter Krankheitserscheinungen, die früher nur bei Menschen über 50 Jahren zu finden waren. Nutzen Sie die Chance und geben Sie Ihnen mehr Obst und Gemüse zu essen, kochen Sie selbst wieder frische vollwertige Mahlzeiten mit Hülsenfrüchten oder geben Sie Ihren Kindern Nüsse und Trockenfrüchte zu knabbern statt industrieller Süßigkeiten. Man kann sich der veganen Ernährung durchaus schrittweise und kindgerecht annähern und nach ein wenig Umlernen ist es auch ganz einfach.

In einem hat Frau Wiener allerdings recht: lassen Sie die vielen veganen industriellen Fertigprodukte links liegen und legen Sie den Schwerpunkt auf unverfälschte frische Lebensmittel. Ihre Gesundheit wird es Ihnen danken.


[1] Ishikawa SI et al.: Heme induces DNA damage and hyperproliferation of colonic epithelial cells via hydrogen peroxide produced by heme oxygenase: A possibile mechanism of heme-induced colon cancer; Mol Nutr Food Res. 2010 Jan 28.
Cross AJ et al: A large prospective study of meat consumption and colorectal cancer risk: An investigation of potential mechanisms underlying this association: Cancer Res. 2010 mar 9
Polesel J. et al.: Dietary habits and risk of pancreatic cancer: an Italian case-control study; Cancer Causes Control. 2009 Nov. 29
Kallianpur AR et al: Dietary iron intake and risk of endometrial cancer: a population-based case-control study in Shanghai, China; Nutr Cancer. 2010-62(1): 40-50
[2]http://www.mpg.de/8286113/uebergewicht_ho-1? Zuletzt aufgerufen am 3.11.2015
[3]Rogers IS, Northstone K, Dunger DB, Coooper AR, Ness AR, Emmett PM. Diet throughout childhood and age at menarche in a contemporary cohort of British girls. Public Health Nutr. Published ahead of print June 8, 2010.
 
 

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