Die Biodiversität auf Märkten und Läden lässt meist sehr zu wünschen übrig. Ich habe das Glück, dass es bei uns in Lüneburg einen Marktstand mit regionalem bioveganem Gemüse gibt, bei dem ich jetzt im Frühjahr liebend gern Wildkräuter-Salatmischungen kaufe. Ein absoluter Genuss.

Aber natürlich kann man Wildkräuter auch gut selbst sammeln. Kostenloses, frisches Essen zu sammeln ist die älteste Beschäftigung des Menschen. Schauen Sie auf Ihren Spaziergängen genau hin und Sie werden jetzt Löwenzahn auf Wiesen entdecken, und überall wachsen Brennesseln und Giersch. Letzterer ist Gärtnern ein Graus, weil er fast nicht auszurotten ist, aber wenn Sie diesen Beitrag zu Ende gelesen haben, werden Sie den Kampf sofort einstellen und statt dessen dankbar für das Geschenk der Natur sein.

Ich bin überhaupt keine Expertin für Wildkräuter, aber manche sind so charakteristisch, dass Sie sie auch ohne große Kenntnisse problemlos identifizieren können. Und wenn Sie einen Garten haben, können Sie sie auch bei sich ansiedeln, bzw. ihnen jetzt einen Lebensraum zugestehen.

Wenn Sie draußen sammeln gehen, suchen Sie nach Stellen, die frei von chemischer Belastung sind. Sammeln Sie nicht an viel befahrenen Straßen- oder Wegesrändern und ernten Sie nie mehr als ein Drittel des Bestands, damit die Pflanzen sich wieder erholen können.

Giersch

Giersch am Wegesrand

Foto von Steffen Heinz

Gärtner hassen Giersch, weil er fast nicht auszurotten ist, wenn er sich einmal in Ihrem Garten angesiedelt hat. Aber tatsächlich wächst da ein heimisches „Superfood“ direkt vor Ihrer Nase. Er ist gut an seinem dreikantigen Stiel zu erkennen, dessen eine Kante abgerundet und die gegenüberliegende Seite konkav eingezogen ist.

Die Heilwirkung von Giersch erkennt man schon an seinen Volksnamen „Zipperleinskraut“. Seit dem Mittelalter ist bekannt, dass er bei Gicht und anderen rheumatischen Erkrankungen helfen kann. Giersch liefert enorm viel Vitamin C, Kalium, sehr viele Carotinoide und Eisen. Sie können die jungen Blätter für grüne Smoothies nutzen oder in Ihrem Salat verwenden. Natürlich können Sie ihn auch wie Spinat dünsten, aber das wäre fast zu schade um die Vitamine, die dabei verloren gehen. Wie alle nährstoffreichen grünblättrigen Gemüse ist auch Giersch gut geeignet für die vegane Ernährung bei Diabetes und anderen Zivilisationskrankheiten.

Brennesseln

Brennesseln-1615632_640Die bekanntesten Brennesseln bei uns sind die kleine Brennessel urtica urens und die große Variante urtica dioica. Von beiden sind jetzt die grünen Blätter zart und wohlschmeckend. Ernten Sie sie mit Handschuhen oder wenn sie ganz nass vom Regen sind, denn dann ist die stechende Wirkung verschwunden. Erfahrungsgemäß sind die oberen 4 Blattpaare die zartesten und frischsten.

Brennesseln enthalten doppelt so viel Vitamin C wie Orangen. Darüber hinaus liefern Sie viel Magnesium, Calcium und Kieselsäure für schöne Haare und Nägel. Auch der Eiweißgehalt ist bei Brennesseln relativ hoch und es sind alle essentiellen Aminosäuren enthalten.

Ein hoch interessantes Ergebnis lieferte eine Studie (1), die das Fettsäurenprofil der Brennesseln im rohen, blanchierten und gekochten Zustand untersuchte. Die gesättigten Fette wurden durch das Blanchieren bzw. Kochen in mehrfach ungesättigte Fettsäuren umgewandelt.

Nehmen Sie also Brennesselblätter mit in Ihre Smoothie-Rezepte auf, aber genießen Sie ihn auch gekocht wie Spinat oder als Suppe. Getrocknete Blätter können als Tee getrunken werden. Sie unterstützen ebenfalls die Entgiftung des Körpers. Später im Jahr können Sie auch Brennesselsamen ernten und trocknen. Sie sind dann den ganzen Winter über ein wunderbares Nahrungsergänzungsmittel und wirken vorbeugend gegen Erschöpfungszustände..

Bärlauch

baerlauch-pesto-2228269_640Manche nennen ihn auch wilden Knoblauch – botanisch ist er auch mit Knoblauch und Zwiebeln verwandt. Er wächst im Wald und auf Wiesenauen und verströmt einen typischen Geruch. Allerdings ist Bärlauch auch mit gleich drei giftigen Pflanzen verwechselbar – den Maiglöckchen, dem Aaronstab und den Herbstzeitlosen, deren Blätter auch im Frühjahr austreiben. Sein Erkennungszeichen ist der typische Knoblauchgeruch, der entsteht, wenn man die Blätter aneinander reibt. Aber wenn Sie sich nicht sicher sind und ihn lieber kaufen, werden Sie jetzt im Frühjahr überall fündig. In einem anderen Blog habe ich allerdings auch eine schöne Übersicht zur sicheren Identifizierung von Bärlauch gefunden. Schauen Sie selbst.

Bärlauch regt Verdauung und Stoffwechsel an und ist als Heilpflanze zur Senkung des Cholesterinspiegels und Blutdrucks bekannt. Da er durch Erhitzen einen Großteil seines Geschmacks und seiner heilenden Eigenschaften verliert, sollten Sie ihn roh als Pesto oder in feine Streifen geschnitten im Salat verzehren.

Ölfreies Bärlauchpesto

aus meinem Buch Spargel vegan genießen Dort gehört es zum Spargelrisotto.

Mir ist reines Bärlauchpesto immer zu kräftig, daher kombiniere ich es mit Ruccola, der jetzt ebenfalls saisonal erhältlich ist.

Sie brauchen

  • 50 g Bärlauch
  • 50 g Ruccola
  • 60 g Cashewkerne (ungeröstet, ungesalzen)
  • 15 g Sonnenblumenkerne
  • 1El Hefeflocken (optional für ein leichtes Käsearoma)

Am besten gelingt das Pesto in einem Mixer, aber es geht auch mit einem Pürierstab. Geben Sie zuerst die Nüsse und Kerne in den Mixer und wenn Sie eine Puls-Funktion haben, zerkleinern Sie sie damit vorab grob. Dann geben Sie die gewaschenen Kräuter dazu und pürieren das Ganze bis zur gewünschten Konsistenz. Wenn etwas Flüssigkeit fehlt, geben Sie Esslöffelweise Gemüsebrühe dazu. Wer nicht auf Öl verzichten möchte, kann statt der Gemüsebrühe Olivenöl verwenden.

Das Pesto ist übrigens am nächsten Tag schärfer, weil sich das Knoblaucharoma dann erst voll entwickelt hat.

Was sagen Sie dazu?

Ich freue mich auf Ihren Kommentar.