Forscher der Universität von Jaén (Spanien) haben ein besonders sensibles Verfahren zum Aufspüren von Medikamentenrückständen in Milch entwickelt. Dabei machten sie erstaunliche Entdeckungen. 20 Medikamentenrückstände und Hormone konnten nachgewiesen werden. Untersucht wurden Kuhmilch in ihren verschiedenen Formen (Vollmilch, entrahmte Milch, Milchpulver), Ziegenmilch und menschliche Muttermilch.

Manche der gefundenen Wirkstoffe stammen ausschließlich aus der Tiermedizin. Die meisten jedoch sind uns durchaus auch aus der Humanmedizin bekannt. Wenn sie nicht direkt in der Tiermedizin eingesetzt werden, gelangen sie in die Nahrungskette der Tiere durch Klärschlamm auf Flächen zur Tierfutterproduktion und verunreinigtes Trinkwasser. Unsere Kläranlagen sind nicht in der Lage, die Rückstände aus Rheumamitteln, Antibabypillen und Antibiotika aus dem Abwasser herauszufiltern.

Auch menschliche Muttermilch ist daher nicht frei von Medikamenten, die die Mutter entweder selbst eingenommen oder eben durch Milchprodukte und verunreinigtes Trinkwasser zu sich genommen hat.

Auf Kuhmilch und alle Milchprodukte zu verzichten bedeutet also keinen 100%igen Schutz aber eine deutliche Verringerung des Risikos für unsere Kinder.

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass das tierliche Eiweiß aus der Milch mit der Entstehung und Förderung von Krebs (z.B. Prostatakrebs) in Verbindung steht. Milch enthält noch weitere natürliche Hormone, die dem Insulin ähneln und bei der Entstehung von Diabetes im Kindesalter eine Rolle spielen könnten.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

Wirkstoffe aus Rheumamedikamenten
Nifluminsäure Entzündungshemmer.
Mefenaminsäure Schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend.  In Schmerzmitteln gegen Rheuma, Menstruationsbeschwerden.
Ketoprofen Schmerzstillend
Diclofenac Schmerzstillend, entzündungshemmend. Das wohl am häufigsten verschrieben Rheumamedikament. Z.B. in Voltaren.
Phenylbutazon Schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend. Einsatz z.B. bei Gicht und chronischer Polyarthritits.

In der EU ist der Einsatz dieses Medikaments bei lebensmittel-liefernden Tieren verboten. (Quelle: Wikipedia)

Naproxen Schmerzstillend. Wird auch häufig gegen Menstruationsbeschwerden eingesetzt.
Flunixin Ausschließlich in der Tiermedizin zugelassen. Schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend.
Ibuprofen Schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend.  Bekanntes Schmerzmitteln gegen Rheuma, Menstruationsbeschwerden.
Weitere Wirkstoffe
Florfenicol Breitbandantibiotikum u.a. gegen Atemwegserkrankungen bei Tieren
Chloramphenicol Breitbandantibiotikum mit besonders schweren Nebenwirkungen, deshalb heute nur Reserveantibiotikum, das nur nach sorgfältiger Abwägung eingesetzt werde soll.
Thiamphenicol Ein enger Verwandter des Chloramphenicol mit noch stärkerer Wirkung. Wird außer in China und der Türkei nur in der Veterinärmedizin eingesetzt
Estron Ein natürliches Östrogen
17ß-Estradiol Ein natürliches Östrogen
17a-Ethinylestradiol Ein synthetisches Östrogen aus Verhütungsmitteln und Hormonmedikamenten gegen Wechseljahresbeschwerden.
Pyrimethamin Ein Medikament gegen Malaria und Toxoplasmose
Triclosan Bestandteil von Desinfektionsmitteln
Carbamazepin Anti-Epileptikum und in Medikamenten gegen psychische Störungen wie Manie, Schizophrenie
Clofibrinsäure In Medikamenten zur Senkung der Blutfette
Metoprolol, Propranolol ß-Blocker bei Herz-Kreislauferkrankungen

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