low-high-carbWelche Ernährung ist gesünder und führt zu besseren Ergebnissen beim Abnehmen? Darüber streiten sich die Geister seit langem. Diäten wie die von Atkins setzen auf eine hohe Eiweißversorgung und möglichst wenig Kohlenhydrate.  Ernährungsexperten wie Dr. McDougall sind dagegen überzeugt, dass wir hauptsächlich vollwertige naturbelassene Kohlenhydrate brauchen, um langfristig gesund und schlank zu werden. Frühere Studien haben schon ergeben, dass Low Carb die Lebenszeit verkürzt und immer mehr Dicke hervorbringt, aber der Mythos hält sich wacker.

Eine Studie[1] hat nun die beiden Ernährungsweisen verglichen, bei denen die Teilnehmer 4 Wochen in einer kontrollierten Umgebung verbrachten, sodass sie keine Möglichkeit hatten, gegen die Ernährungsregeln zu verstoßen. Das Ziel war nicht abzunehmen, sondern die Stoffwechselreaktionen der Teilnehmer genau zu erforschen. Dabei kam es zu einer ganzen Reihe von Überraschungen.

Es wurden entweder 50% Kohlenhydrate verzehrt oder 5%. Obwohl die Ernährung in beiden Fällen ausreichend Kalorien enthielt, um das Gewicht zu halten, nahmen die Teilnehmer der High Carb Gruppe langsam ab. Sie verloren etwa 500 g Körperfett in den letzten beiden von insgesamt 4 Wochen. Ein Hinweis darauf, dass Kalorien eben nicht einfach nur Kalorien sind?

In der Low Carb Gruppe nahmen die Teilnehmer zunächst sehr schnell ab. Dabei handelte es sich aber zunächst um Wasser. Der Verlust an Körperfett verlangsamte sich jedoch. Insgesamt verloren die Teilnehmer der Low Carb Gruppe in vier Wochen nur so viel Körperfett wie die High Carb Gruppe in 2 Wochen. Das ist besonders interessant, da bei der eiweißreichen Ernährung etwa 100 kcal pro Tag mehr verbrannt werden als bei High Carb. Das gilt allerdings nur für die ersten zehn Tage, danach fiel der Kalorienverbrauch wieder ab.

Aus den Urinuntersuchungen ging hervor, dass während der ersten Zeit, in der auch der Gewichtsverlust am höchsten war, Muskelmasse abgebaut wurde. Die Erklärung dafür ist einfach: wenn durch die Ernährung nicht genug Glukose geliefert wird, stellt der Körper sie selbst her (Gluconeogenese) – aus Eiweiß. Dadurch erhöht sich der Eiweißbedarf des Körpers und wenn der nicht gestillt wird, holt er es sich aus der Muskelmasse. Auch dieses Phänomen des Muskelabbaus verschwand wieder, als die Gewichtsabnahme sich reduzierte.

Insulintheorie ebenfalls enttäuschend

Der Gedanke, dass Low Carb zu einer geringeren Ausschüttung von Insulin und dadurch zu einem gesteigerten Stoffwechsel und höherer Fettverbrennung führt, hält sich ebenfalls schon lange. Es wird behauptet, dass die Insulinspiegel im Zusammenhang sowohl mit dem Appetit als auch mit der Stoffwechselrate stehen. Wenn man also bei gleicher Kalorienanzahl einen Teil der Kohlehydrate durch Fett ersetzt, müsste sich der Stoffwechsel beschleunigen und Fett abgebaut werden. Es besteht weiterhin die Aussage, dass Insulin die Freisetzung von Fettsäuren aus Fettgewebe unterdrückt, wodurch sich das allgemeine Energieniveau senkt und ein Zustand „inneren Verhungerns“ entsteht, was wiederum zu Hungerattacken und Trägheit führt. Die Reduzierung der Insulinausschüttung müsste also zu mehr zirkulierender Energie führen (Glukose plus freie Fettsäuren, Ketone, Gycerol und Triglyceride). Außerdem würde der innere Notstand verschwinden.

In der Studie sank bei der Low Carb Ernährung die Insulinausschüttung wie erwartet um 47% und die Ketone im Urin stiegen um 11%. Ansonsten änderte sich nichts – die frei zirkulierende Energie blieb gleich. Das zeigt, dass der Körper sich auch gegen extreme Veränderungen zur Wehr setzt und seine Systeme gut schützen kann. Die Forscher formulierten es so: „Es wird deutlich, dass die Regulierung des Fettgewebes facettenreich ist und dass Insulin nicht immer eine Hauptrolle dabei spielt.“ Das Fettgewebe setzt also Energie frei, wenn der Körper sie braucht, unabhängig davon, wie viel Insulin im Körper zirkuliert.

Besonders wichtig bei den Fragen von Appetit, Sättigung und Fettabbau sind ebenfalls die Hormone Leptin und Ghrelin, die in dieser Studie allerdings nicht erforscht wurden.

 


[1]Hall KD, Chen KY, Guo J, Lam YY, Leibel RL, Mayer LE, Reitman ML, Rosenbaum M, Smith SR, Walsh BT, Ravussin E. Energy expenditure and body composition changes
after an isocaloric ketogenic diet in overweight and obese men. Am J Clin Nutr.
2016 Jul 6. pii: ajcn133561. [Epub ahead of print] PubMed PMID: 27385608.

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