Gerade findet in Paris wieder eine internationale Klimaschutzkonferenz statt und es wird um gemeinsame Ziele bzw. Vereinbarungen gerungen. Wie in allen politischen Prozessen, geht es dabei nicht ohne Kompromisse. Gestern hörte ich einen Experten im Radio über die Auswirkungen dieser Zielvereinbarungen:

Wird die Klimaerwärmung auf maximal 2 °C beschränkt, werden sehr viele Inselstaaten überflutet werden. Bei 1,5 °C ist das möglicherweise nicht der Fall.

Sofort dachte ich: Ja, das Klima – unsere Erde – macht keine Kompromisse. Wenn die Politiker kurzsichtigerweise keine ausreichenden Maßnahmen vereinbaren, werden die Konsequenzen nicht mehr aufzuhalten sein. Tatsächlich ist fraglich, wie viel wir überhaupt noch beeinflussen können.

earth-on-forkDie wichtigste Klimaschutzmaßnahme, die sofort umsetzbar und zudem noch kostenlos ist, kann aber in Paris nicht beschlossen werden. Es ist die eine Maßnahme, die direkt vor unserer Nase ist und die niemand sehen will. Das Papier, das alle Nationen unterschreiben müssten, um unseren Kindern und Enkeln eine Erde zu hinterlassen, auf der sie noch sorglos leben können, müsste diesen Passus enthalten: „Wir vereinbaren, die ökologischen Kosten der Fleischproduktion per Gesetz zu 100% auf die Erzeuger umzulegen.“ Wer dann noch Fleisch oder Käse essen will, kann das weiterhin tun, es kostet nur mehr. Für eine einzige Portion Rindfleisch käme zum Preis z. B. die Wasserrechnung für 2.790 l Wasser hinzu. Plus die Entsorgungskosten der Gülle, die inzwischen unser Grundwasser an immer mehr Orten verschmutzt und untrinkbar macht.

Selbst das Umweltbundesamt schreibt in seiner Pressemitteilung vom 8.12.„Vor allem Fleisch und nichtsaisonale Produkte mit langen Transportwegen belasten weiter Umwelt und Klima.“

Die FAO, die Food and Agriculture Organization der UNO schreibt der Tierhaltung einen Anteil am CO2-Ausstoß von 14,5% zu. Das ist mehr als das gesamte Transportwesen von Autos, Bussen, LKWs, Zügen Schiffen und Flugzeugen zusammen. Das ist konservativ gerechnet, doch damit ist noch nicht genug.

Über die Hälfte aller landwirtschaftlichen Flächen weltweit werden für die Tierzucht einschließlich dem Futtermittelanbau verwendet. Der größte Teil unseres Trinkwassers geht ebenfalls dafür drauf. Wie oben schon gesagt: Die Produktion einer einzigen Portion Rindfleisch (180 g) verschlingt 2.790 l Wasser. Die Abholzung des Regenwalds geht fast vollständig auf das Konto der industriellen Fleischproduktion, die immer neue Flächen für die Futtermittelproduktion benötigt. Mit genmanipulierten Pflanzen, die wir dann als Kraftfutter auch nach Deutschland importieren und hier verfüttern. Dazu kommt eine schleichende Auslaugung der Böden, Luftverschmutzung und die Ausrottung zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Gleichzeitig hat jeder achte Mensch auf dieser Erde keinen Zugang zu ausreichend Nahrung und/oder frischem Trinkwasser.

In den letzten Wochen und Monaten häufen sich außerdem die gesundheitlichen Konsequenzen des Verzehrs von Tierprodukten, nicht nur in Form von Zivilisationskrankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes oder Krebs, sondern in Form von multiresistenten Erregern in Schweinen und Hühnern. Erstmals haben diese Bakterien die Nase vorn – es gibt kein Antibiotikum, auch kein Reserveantibiotikum, das ihnen beikommen könnte. Das fanden Forscher der chinesischen Universität Guangzhou heraus. Die nächste Ehec-Epidemie oder ansteckende Lungenentzündungen ohne wirksames Antibiotikum stehen uns quasi unmittelbar bevor.

Jetzt die Reißleine ziehen

Andererseits müssten wir gar nicht auf die große Politik und ihre halbherzigen Vereinbarungen warten. Jede*r von uns kann zur Verringerung des CO2-Ausstoßes sofort beitragen und dazu müssen Sie noch nicht einmal ein Hybrid-Auto kaufen. Die vegane Ernährung ist die größtmögliche persönliche Maßnahme, die Sie persönlich ab sofort vornehmen können.

Zu jeder Mahlzeit, jedem Snack, treffen Sie erneut die Entscheidung. Hier eine kleine Hilfe. Beantworten Sie die folgenden Fragen für sich:

  • Ich will Lebensmittel ohne lebensgefährliche Krankheitserreger
  • Ich will saubere Luft und sauberes Trinkwasser
  • Ich will keine Gentechnik in meiner Nahrung, auch nicht auf dem Umweg über Futtermittel
  • Ich will keine Gülle im Grundwasser
  • Ich will, dass die grüne Lunge unseres Planeten – der Regenwald – nicht weiter zerstört wird.
  • Für diejenigen unter Ihnen, die unter einer der üblichen Zivilisationskrankheiten leiden, kommt noch dieser Punkt hinzu: ich will weniger Medikamente benötigen und eine höhere Lebensqualität haben.

Wenn Sie diese Dinge für sich und ihre Familie wollen, dann nutzen Sie die Macht, die wir als Verbraucher*innen haben. Ernähren Sie sich vegan und möglichst regional und saisonal. Selbst wenn Sie das nicht ab sofort zu 100% schaffen – jede Mahlzeit zählt.

Erst einmal vegetarisch?

Wenn Sie jetzt aufatmen, weil Sie schon vegetarisch leben und schon kein Fleisch mehr essen, muss ich Sie leider enttäuschen. Diese Illusion hatte ich auch zehn Jahre lang. Aber eine vegetarische Ernährung mit Eiern, Milch oder Käse ist ohne die Fleischproduktion nicht möglich.

Um die Milchproduktion aufrecht zu erhalten, müssen Kühe jedes Jahr ein Kalb gebären. Diese Kälber werden bis auf die Töchter, die dasselbe Dasein wie ihre Mütter als Milchkuh fristen müssen, schon nach kurzer Zeit geschlachtet und irgendjemand muss sie essen. In Milch und Käse ist auch immer das Blut dieser Tierkinder.

Bei der Eierproduktion werden allein in Deutschland jedes Jahr 45 Millionen männlicher Küken am ersten Lebenstag vergast oder lebendig in einen Schredder geworfen. Auch die Aktion der Bruderhähne, bei der Bio-Eier teurer verkauft werden, um die männlichen Küken aufzuziehen, steht nach 5 Wochen der Tod. Fünf Wochen ist besser als nur ein Tag, denken Sie vielleicht. Aber in Freiheit werden Hühner bis zu 18 Jahre alt. Die Legehennen erreichen dieses Alter natürlich ebenfalls nicht. Nach maximal einem Jahr landen sie beim Schlachter.

Abgesehen davon sind Eier auch stark mit Krankheitserregern belastet und selbst ohne diese sind sie gesundheitlich belastend aufgrund des hohen Gehalts an Cholesterin und gesättigten Fetten.

Aber bleiben wir beim Thema Ökologie. Die Produktion eines einzigen Liters Milch verbraucht 1.000 l Wasser. Würden allein diese Kosten umgelegt, würden Sie vermutlich keine Milchprodukte mehr kaufen.

Warten Sie nicht länger auf die Politik

heart-678482_640-umgefärbtMein Praxis-Slogan lautet: Gesundheit wieder selbst in die Hand nehmen. Aber tatsächlich nehmen Sie durch eine vegane Ernährung die Verantwortung für das Wohlergehen unseres gesamten Planeten und allen Lebewesen darauf in die Hand. Die haben Sie übrigens sowieso – die Verantwortung, meine ich. Denn wenn Sie nichts ändern, wird sich nichts ändern.

Ich lebe seit über zehn Jahren vegan. In dieser Zeit ist ein enormer Wandel entstanden. Es ist viel leichter geworden, sich vegan zu ernähren und auch in allen anderen Lebensbereichen wie Kosmetik, Kleidung, Möbel, etc. gibt es qualitativ gute Alternativen. All das wäre nicht entstanden, wenn sich nicht ein Markt dafür gebildet hätte. Wir als Verbraucher*innen haben die Macht. Genau wie wir uns entscheiden können, ob wir Atomstrom haben wollen oder nicht, können wir entscheiden, welche Lebensmittel und anderen Produkte wir kaufen und welche nicht. Der Markt wird folgen. So ist es immer.

Vegan zu leben löst nicht alle Probleme

child-517524_640Natürlich wird die Welt nicht morgen vegan, und selbst wenn alle Menschen vegan würden, wären damit nicht alle Probleme gelöst. Der Welthunger ist z. B. eine Frage der Verteilung, aber wenn mehr Ressourcen frei werden, hilft das schon. Vor allem in den Ländern, in denen die Menschen Tierfutter für die Industrie anbauen, anstatt Lebensmittel für sich selbst.

Es wird auch weiter unsere Zivilisationskrankheiten geben, aber sie wären eben nicht mehr alltäglich, sondern wieder seltener. Die Autoabgase verschwinden nicht dadurch und auch nicht die schmutzigen Industrien, die ihre Abgase in manchen Ländern noch ungefiltert in die Luft blasen. Aber wir würden Zeit gewinnen und Ressourcen sparen. Dann können wir uns den weiteren Themen widmen.

Fangen Sie heute an, mit der nächsten Mahlzeit! Der Klimawandel wartet nicht auf uns.

 

 

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