Der Zusammenhang zwischen einem Mangel an Folsäure und neurologischen Fehlbildungen in der Schwangerschaft ist bekannt und so gehört es zur Routine, Schwangeren die Einnahme von Folsäure zu empfehlen. Nicht nur Veganerinnen sollten auch auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B12 achten. Nun hat eine Studie[1] aus Boston die Folsäure- und Vitamin B12-Werte von fast 1.400 Müttern in einem Zeitraum von 1998 bis 2013 überprüft, die kurz zuvor entbunden hatten. In 107 Fällen hatte das Kind eine Erkrankung des autistischen Formenkreises bekommen.

Es stellte sich heraus, dass die Wahrscheinlichkeit einer Autismus-Erkrankung sich verdoppelte, wenn die Mütter extrem hohe Folsäurewerte hatten und sich verdreifachte, wenn die B12-Werte sehr hoch waren. Grundsätzlich wurde die Schutzwirkung der Supplementierung bestätigt , es zeigte sich jedoch, dass bei den Frauen, die Vitaminpräparate eingenommen hatten, die Werte von Folsäure und B12 stark schwankten. Von extrem hoch bis zu Mangelerscheinungen war alles vertreten. Die sehr hohen Folsäure-Werte traten bei etwa 10% der Frauen auf, bei Vitamin B12 waren etwa 6% betroffen.

Es ist nicht klar, wie diese Werte zustande kamen, da nicht untersucht wurde, wie sich die Frauen genau ernährten und ob sie zusätzlich angereicherte Produkte neben der Supplementierung zu sich genommen hatten. Es gibt laut den Wissenschaftlern auch genetische Unterschiede, die einen Einfluss darauf haben, wie gut bestimmte Mikronährstoffe aufgenommen werden oder wie schnell sie wieder verloren gehen.

Ein Unsicherheitsfaktor der Studie besteht darin, dass die Blutentnahme erst kurz nach der Geburt und nicht während der Schwangerschaft erfolgte. Auch wenn 1.400 Fälle viel erscheinen, sind doch weitere Untersuchungen erforderlich, um mehr Klarheit über die Zusammenhänge zu erhalten.

Was Sie tun können

Wenn Sie eine Schwangerschaft in Erwägung ziehen, sollten Sie für einen ausreichend hohen Folsäurespiegel sorgen, bevor Sie mögliche Verhütungsmaßnahmen beenden. Der sogenannten offene Rücken, die bekannteste Gefahr des Folsäuremangels entsteht nämlich in den ersten 4 Wochen der Schwangerschaft und die allermeisten Frauen wissen dann noch nicht einmal, dass sie schwanger sind. Allerdings ist die Natur weise: das Ungeborene wird immer vorgezogen bei der Folsäureversorgung, auch auf Kosten der Mutter. Deshalb sind diese neuronalen Fehlbildungen so selten.

greensEssen Sie viel grünblättriges Gemüse vor, während und nach der Schwangerschaft. Veganerinnen, die sich von frischen, naturbelassenen Lebensmitteln ernären, sind im Allgemeinen sehr gut mit Folsäure versorgt. Grünblättriges Gemüse versorgt Sie außerdem großzügig mit weiteren B-Vitaminen, Eisen, Calcium,  Vitamin A und K sowie Magnesium und einer Vielzahl sekundärer Pflanzenstoffe.

Bevor Sie ein zusätzliches Präparat einnehmen, lassen Sie durch einen Bluttest feststellen, ob Sie das überhaupt benötigen. Ihr Arzt wird es Ihnen routinemäßig empfehlen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass er sich mit veganer Ernährung nicht auskennt, ist ziemlich hoch. Ergänzen Sie immer nur das, was Sie persönlich wirklich brauchen! Veganerinnen sollten routinemäßig Vitamin B12 zuführen und auch diesen Spiegel regelmäßig überprüfen lassen

Lassen Sie sich nicht in Panik versetzen. Autistische Erkrankungen sind höchstwahrscheinlich nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen. Es gibt immer wieder Berichte über die Zusammenhänge mit Impfungen oder Umweltbelastungen. Es ist gut, die Dinge zu beachten, die wir kontrollieren können, aber es ist mindestens genauso wichtig, dass Sie während der Schwangerschaft eine stressfreie Zeit erleben und genießen können.

 


[1] Raghavan R, et al „Maternal plasma folate, vitamin B12 levels and multivitamin supplement during pregnancy and risk of autism spectrum disorders in the boston birth cohort“ IMFAR 2016; Abstract 149.004.

 

 

Was sagen Sie dazu?

Ich freue mich auf Ihren Kommentar.