Foto von Gail

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Gerade warnen deutsche Kinderärzte vor dem sogenannten Baby-led Weaning. Dabei bestimmen die Babys, wann sie sich abstillen und sie dürfen auch ihre Nahrungsmittel frei wählen (aus einem begrenzten Angebot), anstatt mit Brei gefüttert zu werden. Ich befürworte diese Methode, weil sie die Kinder eher an „normales“ Essen heranführt und Studien zeigen, dass sie später weniger an Übergewicht leiden. Man kann natürlich durchaus auch Gemüse und Obst selbst kochen und püriert anbieten, es geht eher darum, den natürlich Drang der Kinder nach fester Nahrung als Richtschnur zu nehmen anstatt einen festen Plan ab welchem Monat welcher Brei gegeben werden soll.

In Deutschland lieben wir aber nun einmal Normen und Regeln, deshalb wird immer gewarnt, wenn auf einmal wieder Flexibilität in Ernährungs- oder sonstigen Richtlinien auftaucht. Angepiekst hat mich der Satz eines Kinderarztes „Wenn das Kind dann nur an einem Stück Fleisch saugt, bekommt es kaum Eisen“.

Hier handelt es sich um einen klassischen Mythos, der sich hartnäckig hält. Deshalb hier ein paar Punkte zum Thema Eisen – nicht nur für die Kinderernährung. Wenn Sie Baby-led Weaning praktizieren (wollen) oder ihr Kind sogar vegan ernähren, können Sie die Infos nächstes Mal Ihrem Kinderarzt geben und so eine konstruktive Gesprächsgrundlage schaffen.

Häm-Eisen ist ein Gesundheitsrisiko

Gerade das Thema Eisen wird oft als Argument gegen eine vegane Ernährung herangezogen. Unser Körper kann das sogenannte Hämeisen, das an Tierblut gebunden ist, in höherem Maß aufnehmen als pflanzliches Eisen, sagen die Wissenschaftler. Das ist auch korrekt, allerdings nur teilweise. Unser Körper hat für die Aufnahme der meisten Stoffe eigene Regulierungsmechanismen. Wenn er merkt, dass er von etwas genug hat, stoppt er die Aufnahme.

Häm-Eisen ist dreiwertiges Eisen, pflanzliches Eisen ist zweiwertig. Der Körper bricht das dreiwertige Eisen mithilfe eines Enzyms namens Hämoxygenase zu zweiwertigem Eisen herunter, erst dann kann es seine Aufgaben im Körper erfüllen. Inzwischen haben Studien belegt, dass diese Hämoxygenase (HO) entzündungsfördernd und Krebs erregend wirkt. Das ist eine echte Revolution, hatte man doch zuvor über Jahre geglaubt, das Enzym wirke entzündungshemmend. Dieses Beispiel zeigt, dass auch nach Jahrzehnten neue Erkenntnisse in der Wissenschaft auftauchen können, die alles vorherige wiederlegen.

Die chronischen Entzündungen, die HO bewirkt, verändern auch die Insulinrezeptoren an den Zellen und werden dadurch zu Mitauslösern des metabolischen Syndroms und Typ-2 Diabetes. 75% der Übergewichtigen entwickeln Diabetes Typ-2, Herzinfarkte oder Krebs, wenn die HO-1 erhöht ist. Sonst nicht.[1]

Gleichzeitig fanden Wissenschaftler an verschiedenen Universitäten heraus, dass Eisen tierischer Herkunft für die Entstehung und Begünstigung mehrerer Krebsarten mitverantwortlich ist. Hierbei handelt es sich nicht nur um Darmkrebs, sondern erstaunlicherweise auch um Bauchspeicheldrüsenkrebs und Gebärmutterkrebs. Entsprechende Studien wurden 2009 und 2010 veröffentlicht[2].

Besondere Gefahr für junge Mädchen

—Eine Langzeitstudie an über 3200 Mädchen in Großbritannien kam zu einem erschreckenden Ergebnis: Fleischverzehr führt zur früherer Pubertät bei Mädchen und dadurch zu erhöhten Risiken von Krebs, Herzerkrankungen und Osteoporose [3]

Hier ist meiner Ansicht nach nicht so sehr das Eisen der auslösende Faktor, sondern die Hormone aus Fleisch (und Milch), die in den menschlichen Hormonhaushalt eingreifen, sowie das tierische Eiweiß, das mit der Krebsentstehung immer wie der in Verbindung gebracht wird. Gerade aber weil der Fleischverzehr noch viele weitere Risiken birgt, sollte er nicht weiter als sinnvolle Eisenquelle propagiert werden.

Pflanzliches Eisen kommt von Natur aus mit Aufnahmeverstärkern vor

vegetables-1584999_640Wer sich pflanzenbasiert ernährt muss eine höhere Menge Eisen aufnehmen, dafür ist ein Überschuss durch die Regulationsmechanismen des Körpers praktisch ausgeschlossen. Die Aufnahme wird durch Vitamin C auf das bis zu Fünffache erhöht. Auch Carotinoide scheinen eine verstärkende Rolle zu spielen. Das passt zu der Tatsache, dass die meisten pflanzlichen Eisenquellen gleichzeitig auch Vitamin C und Carotine enthalten, vor allem die grünblättrigen Gemüse wie Mangold, alle grünen Salatsorten und Kräuter wie Petersilie, Schnittlauch, etc. Weiter gute Quellen sind Vollkorngetreide, Wurzelgemüse wie rote Beete oder Karotten, Trockenfrüchte wie Aprikosen oder Feigen. Eine abwechslungsreiche vegane Ernährung liefert also Eisen aus vielen verschiedenen Quellen. Statistisch gesehen leiden Veganer nicht häufiger unter Eisenmangel als Nicht-Veganer[4].

Behindert wird die Eisenaufnahme durch Dünndarmschädigungen wie sie u.a. durch Antibiotika oder Medikamente gegen zu viel Magensäure entstehen können, aber auch durch Phosphate in Limonaden, Fertiggerichten oder Gerbsäuren aus schwarzem und grünem Tee sowie Phytaten aus Getreide, insbesondere wenn es roh verzehrt und nicht zuvor mehrere Stunden in Wasser eingeweicht wurde. Andererseits hebt Vitamin C die negativen Wirkungen von Phytaten auf. Oxalsäure hat ebenfalls eine leicht hemmende Wirkung, die aber durch Magnesium, das wie ein Wunder in den Pflanzen mit viel Oxalsäure ebenfalls in größeren Mengen vorkommt, ihr Gegengewicht findet. Die Natur macht eben keine Fehler.



[1] Alexander Jais et al. Heme oxygenase-1 drives metaflammation and insulin resistance in mouse and man. Cell. 2014 Jul 3;158(1):25-40. doi: 10.1016/j.cell.2014.04.043. PubMed PMID: 24995976.


[2] Insgesamt 4 Studien

  • Ishikawa SI et al.: Heme induces DNA damage and hyperproliferation of colonic epithelial cells via hydrogen peroxide produced by heme oxygenase: A possibile mechanism of heme-induced colon cancer; Mol Nutr Food Res. 2010 Jan 28.
  • Cross AJ et al: A large prospective study of meat consumption and colorectal cancer risk: An investigation of potential mechanisms underlying this association: Cancer Res. 2010 mar 9
  • Polesel J. et al.: Dietary habits and risk of pancreatic cancer: an Italian case-control study; Cancer Causes Control. 2009 Nov. 29
  • Kallianpur AR et al: Dietary iron intake and risk of endometrial cancer: a population-based case-control study in Shanghai, China; Nutr Cancer. 2010-62(1): 40-50

[3] —Rogers IS, Northstone K, Dunger DB, Coooper AR, Ness AR, Emmett PM. Diet throughout childhood and age at menarche in a contemporary cohort of British girls. Public Health Nutr. Published ahead of print June 8, 2010

[4] — Position of the American Dietetic Association and Dietitians of Canada: Vegetarian Diets J Am Diet Assoc. 2003 Jun;103(6):748-65.

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