feet-1113611_640Der letzte Mittwoch im Juni eines jeden Jahres ist der Tag des Fußes und in diesem Jahr nutze ich die Gelegenheit, ein Thema aufzugreifen, das mir sehr am Herzen liegt, nämlich die diabetische Neuropathie. Ca. 12.000 Amputationen jährlich sind in Deutschland darauf zurückzuführen, das bedeutet eine Amputation alle 15 Minuten im Arbeitstag der Chirurgen.

Ursachen sind Durchblutungsstörungen der feinen Blutgefäße in den Zehen und Fußspitzen, aber auch Nervenschädigungen. Durch die Nervenschädigungen kann das Temperatur- und Schmerzempfinden verloren gehen und so werden Druckstellen oder auch kleinste Verletzungen zum Risiko. Diabetes beinhaltet im Allgemeinen nämlich auch eine schlechte Wundheilung. Diabetiker*innen sollten daher darauf achten, ihre Füße gut zu pflegen und täglich zu untersuchen, evtl. mit einem Spiegel, wenn Sie nicht mehr so beweglich sind.

Risikofaktor Metformin und andere Medikamente

Eines der am häufigsten verwendeten Medikamente zur Senkung des Blutzuckers ist Metformin. Bei Typ-2 Diabetes kommt es meist als erstes zum Einsatz, solange noch kein Insulin erforderlich ist, es wird aber auch begleitend zu einer Insulintherapie gegeben. Seit den 60er Jahren ist bekannt, dass Metformin den Vitamin B12 Spiegel kontinuierlich senkt, neuere Studien aus diesem Jahrzehnt belegen das ebenfalls. Die Bedeutung wurde aber bisher nicht wirklich erkannt und deshalb wird der B12 Status nicht automatisch erhoben und ist auch bis heute keine Kassenleistung.

Weitere Medikamente wie Omeprazol (Protonenpumpenhemmer) oder Cimetidin (H2-Rezeptor-Antagonisten) können die Resorbierung behindern. Außerdem haben Menschen mit einer geschädigten Darmschleimhaut, wie sie bei Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Zöliakie oder auch schon bei einem schlichten Reizdarmsyndrom oft Aufnahmestörungen des Vitamins. Wer häufig unter Magenschleimhautentzündungen oder einer atrophischen Gastritis leidet, hat möglicherweise gar keinen Intrinsic-Faktor mehr, dieser wird in den Belegzellen des Magens produziert und ist für die Aufnahme von Vitamin B12 ebenfalls erforderlich. Auch Heliobakter-pylori-Infektionen behindern die Aufnahme des Vitamins. Auch diejenigen, denen ein Teil des Magens entfernt wurde, habe ein hohes Risiko für einen B12-Mangel.

Vitamin B12 wird in der Leber gespeichert und immer wieder neu aufgenommen, sodass nur relativ wenig verloren geht. Wie hoch die Verluste an B12 sind, ist individuell verschieden, unter anderem spielt auch Stress eine Rolle.

Schwere Schädigungen durch B12-Mangel

Ein Vitamin B12-Mangel ist schleichend und wird häufig zu spät bemerkt, denn die Nervenschädigungen können irreversibel werden. Erste Symptome sind Kribbeln, Taubheitsgefühle und Missempfindungen wie eingeschlafene Hände oder Füße, aber auch eine kribbelnde oder brennende Zunge gehört zu den Alarmsymptomen.

Auch viele unspezifische Symptome können auf einen B12-Mangel hinweisen, einige sehen Eisenmangel zum Verwechseln ähnlich, andere wie Depressionen oder Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen erklären sich dadurch, das ein B12-Mangel auch die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtig. Dazu habe ich bereits einen Artikel geschrieben –> klick.

Vitamin B12 wird auch zum Abbau des schädlichen Homocysteins benötigt, das wiederum ein Risikomarker für Herzerkrankungen und Osteoporose ist. Da auch Herzerkrankungen zu den Komplikationen von Diabetes gehören, kann man durchaus die Frage stellen, ob auch hier ein Zusammenhang zwischen den vielen Herzinfarkten bei Diabetes und einem B12-Mangel besteht.

Lassen Sie Ihre Werte bestimmen

Die Untersuchungen zum Vitamin-B12-Status sind leider keine Kassenleistung, aber diese Investition in Ihre Gesundeheit lohnt sich. Es gibt auch immer noch so etwas wie ärztliches Ermessen, sprechen Sie also mit Ihrem Hausarzt oder Ihrem Diabetologen, möglicherweise wird die Untersuchung ja doch angeordnet. Hier ein paar Tipps:

Es reicht nicht, einfach nur den B12-Wert im Blut zu messen, weil dieser falsch positiv ausfallen kann, denn er erfasst auch sogenannte Analoga, das sind B12-ähnliche Moleküle, die der Körper aber nicht verwerten kann. Genauer ist der Holo-TC Test, der auch als Früherkennung sehr dienlich ist. Mit getestet werden sollten immer Homocystein, Folsäure und Vitamin B6, weil die beiden letzteren auch eine wichtige Rolle in der B12-Frage spielen. Komplettiert wird das Ganze durch das kleine Blutbild, in dem unter anderem MCV und MCH noch weitere Rückschlüsse auf den B12-Status zulassen. Folsäure ist häufig Bestandteil des kleinen Blutbilds, aber leider nicht immer, fragen Sie daher Ihren Arzt.

Je nach Labor sind die Mindestwerte unterschiedlich. Wenn Sie sich im unteren Drittel befinden, sollten Sie auf jeden Fall beginnen, etwas zu unternehmen. Lassen Sie sich also nicht mit einem jovialen „Ihre Werte sind völlig ok“ abspeisen, sondern schauen Sie genau hin.

Was tun bei einem Mangel?

Es gibt viele verschieden Möglichkeiten, sich Vitamin B12 zuzuführen. Die wahrscheinliche schlechteste ist die, Tierprodukte zu essen, die eine gewisse Menge an B12 enthalten können. Da B12 ein bakterielles Produkt ist, bedeutet das, entweder gab es Verunreinigungen während des Schlachtprozesses – das wäre dann „natürliches“ B12 oder aber, wenn die Hygienevorschriften eingehalten wurden, stammt das B12 aus der Supplementierung im Tierfutter. Anstatt also selbst zur Lutschtablette oder zu Tropfen zu greifen, wurden diese erst durch einen tierischen Organismus geschickt.

Die bessere Lösung ist, selbst ein Ergänzungsmittel zu nehmen. Dazu müssen Sie wissen, dass es verschiedene Arten von B12 gibt. Das ist nämlich nicht ein Vitamin, sondern es handelt sich um sogenannte Cobalamine. Die bekanntesten sind Cyanocobalam und Methylcobalamin. Letzteres ist für den Körper direkt verfügbar, wohingegen Cyanocobalamin erst noch im Organismus umgebaut werden muss. Ich tendiere zu Methylcobalamin als Lutschtablette oder Tropfen in einer Dosierung von 500 oder 1000 µg.

Wer das B12 aufgrund von Magen- und Darmschädigungen oder wegen des fehlenden Intrinsic-Faktors nicht aufnehmen kann, muss es spritzen. Hierfür bietet sich Hydroxocobalamin besonders gut an.

Für weitere Fragen zu diesem Thema kontaktieren Sie mich gern.

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