ice-cream-629255_640Wenn verarbeitete Nahrungsmittel uns ein schmelzendes, cremiges Geschmackserlebnis bescheren sollen, kommen bei der Herstellung fast immer Emulgatoren zum Einsatz. Zum Beispiel in Wurst, Eiscreme oder Schokolade. Dabei ist es unerheblich, ob diese vegan sind oder nicht. Der Einsatz von Emulgatoren sorgt für eine stabile Verbindung von wässrigen mit fetthaltigen Nahrungsbestandteilen und führt zu einer längeren Haltbarkeit von Lebensmitteln. Diese und andere Nahrungsmittelzusatzstoffe kommen immer häufiger zum Einsatz. Gleichzeitig mehren sich chronische Entzündungen im Darm, die oft ohne spürbare Symptome lange Zeit im Körper wirken und größere Schäden verursachen können.

Eine vor Kurzem in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie belegt, dass Emulgatoren das metabolische Syndrom – die Vorstufe von Typ-2 Diabetes – sowie Übergewicht und chronische Darmentzündungen fördern können. 

Emulgatoren greifen die Darmschleimhaut an und verändern die Darmflora

Die Epithelzellen, die im Darm die Nährstoffe aufnehmen, werden durch eine Schleimschicht vor dem Angriff von Bakterien und anderen Erregern geschützt. Wenn Emulgatoren ins Spiel kommen, werden bestimmte Bakterien, die diese Schleimschicht verdünnen können, gestärkt und treten vermehrt auf. Die Folge: die Schleimschicht wird allgemein dünner, teilweise geraten Bakterien direkt in Kontakt mit den Epithelzellen. Das kann dann zu Entzündungen führen.

Der Einsatz von Emulgatoren verändert darüber hinaus sogar die gesamte Zusammensetzung der Darmflora. Bakterien, die gesundheitsförderlich wirken, verschwinden zunehmend und solche, die in der Lage sind, Entzündungen zu fördern und Schleim zu lösen, nehmen zu. Diese Bakterien produzieren dann auch noch Lipopolysaccharide, unter denen sich Endotoxine befinden. Diese können wiederum entzündungsfördernde Gene über das Immunsystem aktivieren.

Entzündungen gehen immer mit Rötung und Schwellung einher, das haben Sie sicher auch schon einmal gesehen. Die Darmwand reagiert ganz genauso. Durch die Schwellung können zwischen den Epithelzellen, die normalerweise fest nebeneinander liegen, Zwischenräume entstehen, durch die z. B. unerwünschte, nicht vollständig zerlegte Ketten von Aminosäuren dringen können. Wenn diese bakteriellen oder tierischen Ursprungs sind, identifiziert das Immunsystem sie und greift sie an. Dabei kann es zu „Verwechslungen“ mit körpereigenen Zellen kommen. Das ist einer der Entstehungsmechanismen für das sogenannte Leaky-Gut-Syndrom (der löchrige Darm) bis hin zu Autoimmunerkrankungen.

Wer genetisch vorbelastet ist, ist auch stärker betroffen, fanden die Forscher heraus. Dann kann sogar eine echte Colitis entstehen, die im Allgemeinen mit chronischen Durchfällen einhergeht, wie im Fall von Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn.

Emulgatoren wirken auch Appetit steigernd. Die niedriggradigen Entzündungen der Darmschleimhaut können ebenfalls zu vermehrter Nahrungsaufnahme führen. Das sind zwei Faktoren für Übergewicht, das wiederum zu anderen Erkrankungen beitragen kann.

Essen Sie mehr naturbelassene Lebensmittel

Eine gesunde Ernährung beinhaltet nur wenige Fertigprodukte. Die Umstellung auf eine vollwertige vegane Ernährung ist äußerst heilsam, aber der Weg zur Gesundheit führt durch die Küche, nicht durch die Regale der (veganen) Fertigprodukte.

 


Quelle:
Chassaing B, Koren O, Goodrich JK, Poole AC, Srinivasan S, Ley RE, Gewirtz AT. Dietary emulsifiers impact the mouse gut microbiota promoting colitis and metabolic syndrome. Nature. 2015 Mar 5;519(7541):92-6. doi: 10.1038/nature14232.
Epub 2015 Feb 25. PubMed PMID: 25731162.

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