medications-257359_640Es ist schon etwas länger her, dass eine Studie (1) sich mit der Frage beschäftigte, inwiefern die wiederholte Anwendung von Antibotika den Ausbruch von Diabetes begünstigt. Forscher der Universität von Pennsylvania untersuchten die Verschreibung von Antibiotika bei 200.000 Diabetikern im Jahr vor dem Ausbruch der Krankheit und verglichen sie mit 800.000 Nicht-Diabetikern desselben Alters und Geschlechts.

Bei Patienten, die mindestens zwei Verschreibungen von Breitbandantibiotika wie Penicillin, Cephalosporin oder ähnliche erhalten hatten, stieg das Risiko für den Ausbruch von Diabetes deutlich an. Zwische 15% und 37% je nachdem welches Antibiotikum verwendet wurde und ob 5 oder mehr Verschreibungen in dem Jahr erfolgten.

Sie denken jetzt vielleicht, dass niemand mehr als 5 x in einem Jahr Antibiotika nehmen wird, aber tatsächlich ist mir das in der Praxis schon öfter begegnet. Es gibt ja genügend bakterielle Infektionen, die standardmäßig mit Antibiotika behandelt werden, z. B. Harnwegsinfektionen, Bronchitis oder Mittelohrentzündungen.

Teufelskreis

Dr. Boursi, der Studienleiter führt die Verbindung von Antibiotika und Diabetes darauf zurück, dass Antibiotika das Darmmilieu verändern. Deshalb ist Durchfall eine der häufigsten Nebenwirkungen von Antibiotikagaben. Die zunehmenden Forschungen zum Mikrobiom, der Zusammensetzung der Darmbakterien, zeigen deutlich, dass unser inneres Ökosystem unser Gewicht, die Insulinresistenz und den Ausbruch von Diabetes beeinflusst.

Hier entsteht ein Teufelskreis, denn Menschen mit Diabetes neigen zu häufigeren Entzündungen, die wiederum mit Antibiotika behandelt werden. Im Jahr vor der offiziellen Diagnose Diabetes können solche Entzündungen schon gehäufter auftreten, sagen die Forscher. Sind Antibiotika also schon Prodiabetika?

Frühere Forschungen haben diesen Verdacht ebenfalls bereits aufgebracht. Es scheint, dass die Anwendung von Antibiotika zu einem Zeitpunkt, in dem das Darmmilieu oder der gesamte Organismus schon durch andere Faktoren geschwächt sind, wie ein Katalysator für langfristige Stoffwechselschäden wirkt (2). Auch bei Kindern gibt es einen Zusammenhang zwischen der Behandlung mit Antibiotika und Übergewicht (3), das später zum metabolischen Syndrom führen kann.

Das Milieu ist alles

All das darf uns nicht darüber hinwegsehen lassen, dass Diabetes nicht durch Antibiotika allein verursacht wird. Sie bringen ein geschwächtes Milieu endgültig zum Kippen, doch durch eine Ernährungsumstellung und eine Wiederherstellung eines gesunden Darmmilieus ist dieser Zustand umkehrbar. Typ-2 Diabetes gehört zu den Erkrankungen, die typischerweise als unheilbar angesehen werden, sich aber durch die passende Ernährung als durchaus heilbar erwiesen haben. Von Heilung spreche ich dann, wenn frühere Diabetiker wieder normale Blutwerte einschließlich HbA1c haben und einen Glukosetoleranztest problemlos bestehen.



(1) Boursi B, Mamtani R, Haynes K, Yang YX. The effect of past antibiotic exposure on diabetes risk. Eur J Endocrinol. 2015 Jun;172(6):639-48. doi: 10.1530/EJE-14-1163. PubMed PMID: 25805893; PubMed Central PMCID: PMC4525475.


(2) Cox, L. M. et al. Altering the intestinal microbiota during a critical developmental window has lasting metabolic consequences Cell 705–721, (2014)


(3) Azad, M. B., Bridgman, S. L., Becker, A. B., Kozyrskyj, A. L. Infant antibiotic exposure and the development of childhood overweight and central adiposity, Int. J. Obes. (Lond.) 38, 1290-1298 (2014)

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